Wenn dir das hier gefiel …
Und mittendrin der Birnbaum
Key Facts
Kritik
Es gibt Bücher, die packen dich sofort, und „Und mittendrin der Birnbaum“ gehört definitiv dazu. Ute Mank nimmt uns mit in ein kleines Dorf mitten in dunklen Zeiten – in eine Geschichte von Erinnerung, Verlust und dem quälenden Gefühl, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Im Mittelpunkt steht Dora, die nach Jahrzehnten zurückkehrt und mit jedem Schritt durch die vertrauten, doch irgendwie fremd gewordenen Straßen ins Gestern eintaucht. Ihr Blick fällt auf Stolpersteine – kleine Denkmäler, die an das Schicksal der Juden erinnern –, doch einer fehlt: der ihrer besten Freundin Fanny. Was ist geschehen, dass dieser letzte Stein nicht gelegt wurde?
Die Autorenstimme ist warm, ehrlich und verliert nie die Balance zwischen Emotionalität und souveräner Erzählkunst. Dora als Charakter macht die Geschichte greifbar: Ihre Verletzlichkeit und ihr Drang nach Wahrheit sind so authentisch, dass man sich fast selbst in ihr wiederfinden kann. Besonders beeindruckt hat mich, wie Mank das Dorfleben jener Zeit mit all seinen Schattenseiten, aber auch kleinen Hoffnungsschimmern lebendig werden lässt, ohne ins Kitschige abzurutschen. Ihr Stil ist klar, oft schlicht, aber genau deshalb einfühlsam und packend.
Klar, gelegentlich hätte ich mir ein paar Antworten früher gewünscht – wer mag es schon, wenn die Spannung sich manchmal etwas zu langsam aufbaut? Und manches Detail könnte ein wenig präziser ausgearbeitet sein, doch das tut dem Gesamtgefühl keinen großen Abbruch. Vielmehr lädt die Geschichte dadurch zum Nachdenken ein und lässt Raum für eigene Interpretationen.
Wenn du auf der Suche nach einem Buch bist, das dich nicht nur unterhält, sondern auch tief berührt und Einblick in eine Zeit gibt, die wir nicht vergessen dürfen, dann ist „Und mittendrin der Birnbaum“ genau richtig für dich. Es ist ein leiser, aber kraftvoller Roman über das Erinnern – und darüber, dass manche Geschichten nicht einfach verschwinden.
4 von 5 Sternen – weil es emotional trifft, ohne zu überladen, und in der Erinnerung lange nachklingt.
Klappentext
Es ist ein milder Frühsommer, als Dora nach vielen Jahrzehnten in ihren Heimatort Hausen zurückkehrt. Stundenlang wandert sie durch die fremd-vertrauten Straßen – zu ihrem Elternhaus, aber auch zu dem Fachwerkhaus, in dem einst ihre beste Freundin wohnte.
Vom Wissen und Wegschauen: Ein berührender Roman über Zerbrechlichkeit und Hoffnung in dunklen Zeiten.
Als sie entdeckt, dass vor diesem Haus Stolpersteine verlegt wurden, ist Dora fassungslos. Denn dort liegen nur vier Steine, sie weiß aber genau, dass es fünf sein müssten. Einer fehlt, nämlich der ihrer ehemals besten Freundin Fanny. Was ist damals mit ihr geschehen?
Die Dorfgemeinschaft in Zeiten der Judenverfolgung: ein neuer, spannender Blick auf die düstere deutsche Geschichte. Emotional, glänzend recherchiert und mitreißend erzählt.
Dora ging auf das Haus zu. Mit jedem Schritt wurde sie ein bisschen langsamer. Mit jedem Schritt sank ihr Kopf ein bisschen tiefer. Noch konnte sie nicht hingucken. Ob das Haus ihrer Freundin wohl entstellt worden war wie so manch anderes im Dorf? Ob sie es wiedererkennen würde?
Als sie endlich den Kopf hob, wäre sie fast in Tränen ausgebrochen. Es war ganz und gar unglaublich. Es sah genauso aus wie damals. Als wäre die Zeit nicht vergangen. Dora stand und stand, konnte sich gar nicht sattsehen. Gleich musste die Freundin aus dem Haus kommen. Oder aus dem Fenster gucken. Oben links. Und rufen: »Ich komme.«