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Autor:
Erschienen:
2026-01-13
Preis:
21,99 € (EUR)
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Situation und Konstellation

Key Facts

Erschienen
2026-01-13
Preis
21,99 € (EUR)
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Ähnlich

Kritik

Schon nach den ersten Seiten spürte ich dieses leichte Kribbeln, das aufkommt, wenn jemand einem endlich die Worte für ein diffuses Unbehagen gibt — hier ist es das Gefühl, im eigenen Leben zunehmend zu „vollziehen“ statt zu handeln.

Hartmut Rosa zeichnet in Situation und Konstellation das poröse Geflecht unserer Alltagspraxis nach: Lehrerinnen, die Noten als Automatismus verteilen, Ärztinnen, die mehr auf Bildschirme als auf Patientinnen schauen, Schiedsrichter, deren Urteil durch den VAR ersetzt wird. An die Stelle situationssensiblen Urteilens tritt eine konstellationsbasierte Vollzugslogik — eine Welt der Checklisten, Algorithmen und standardisierten Prozeduren. Rosa macht deutlich, dass damit nicht nur Entscheidungsfreiheit verloren geht, sondern auch eine Art soziale Energie: wer nur noch Vollzieher ist, fühlt sich machtlos und entfremdet vom eigenen Handeln.

Das Buch arbeitet weniger mit klassischen „Figuren“ als mit prägnanten Alltagsszenen und Typen, die stellvertretend für größere Prozesse stehen. Genau das funktioniert: Diese Beispiele sind so nah an der Erfahrung, dass man sofort nickt — und sich manchmal ertappt fühlt. Rosa schreibt philosophisch, aber überraschend zugänglich. Sein Stil ist klar, punktgenau und mit einem merklichen Dringlichkeits-Ton versehen, der die Analyse nicht in akademische Abstraktion abdriften lässt. Besonders gefallen haben mir die Verbindung von empirischen Beobachtungen und theoretischer Schärfe sowie die Leidenschaft, mit der er das Thema der Handlungsfähigkeit verteidigt.

Zwischendurch hatte ich spontane Reaktionen wie: „Ja, stimmt — so habe ich das noch nie gesehen!“ oder „Oha, das betrifft nicht nur Arbeit, sondern auch meine Freizeit.“ Diese Momente machen das Lesen lebendig. Rosa lässt Raum für Reflexion, ohne moralisierend zu werden; er liefert Diagnosen und spricht zugleich die Frage nach Gegenstrategien an — von der Stärkung individueller Urteilskraft bis zur institutionellen Umgestaltung.

Kritikpunkte sind überschaubar: An manchen Stellen wiederholt sich die Argumentation, und wer tief in der sozialtheoretischen Debatte steckt, findet wenig wirklich Neues. Außerdem bleiben einige Lösungsvorschläge eher programmatisch als praktisch — das politische Wie könnte konkreter sein. Trotzdem: die Grundanalyse ist so klar und relevant, dass diese Schwächen nicht schwer ins Gewicht fallen.

Fazit: Ein wichtiges, gut geschriebenes Buch für alle, die sich fragen, warum Entscheidungen im Alltag (und Berufsleben) sich so fremdgesteuert anfühlen. Wer Interesse an

Klappentext

»Nur wo wir handeln, fühlen wir uns lebendig, und nur im Handeln gewinnen wir soziale Energie.«

Die Lehrerin, die Noten nicht zur Ermutigung vergeben kann, die Ärztin, die Bildschirme statt Patienten behandelt, der Schiri, dessen Augenmaß vom VAR verdrängt wird: Unmerklich verändert sich in der Gegenwartsgesellschaft der Charakter unseres Handelns. Insbesondere im Berufsleben, aber zunehmend auch in der Freizeit zeichnen uns Richtlinien und Formulare, Algorithmen und Apps die Wege zur Entscheidungsfindung minutiös vor. An die Stelle situationssensiblen Überlegens und Urteilens tritt die konstellationsbasierte Vollzugslogik der Maschinen, mit denen wir tagein, tagaus hantieren. »Stimme zu« / »Stimme nicht zu« – so werden Handelnde zu Vollziehenden.

Diese Entwicklung, sosehr sie der Gerechtigkeit und Transparenz dienen mag, hat einen hohen Preis, den Hartmut Rosa in seinem neuen Augenöffner auf anschauliche Weise beziffert. Denn wenn Ermessensspielräume verschwinden und die Kreativität menschlichen Handelns aus den alltäglichen Praxisvollzügen eliminiert wird, wächst das Gefühl der Ohnmacht. Und mit der Urteilskraft verkümmert die Handlungsenergie als solche. Doch wie können wir diesem individuellen und kollektiven Energieverlust der Gesellschaft entgegenwirken? Indem wir, so Rosa, die menschliche Handlungsfähigkeit stärken, und zwar auf allen Ebenen der sozialen Existenz.

FAQ

»Nur wo wir handeln, fühlen wir uns lebendig, und nur im Handeln gewinnen wir soziale Energie.«Die Lehrerin, die Noten nicht zur Ermutigung vergeben kann, die Ärztin, die Bildschirme statt Patienten behandelt, der Schiri, dessen Augenmaß vom VAR verdrängt wird: Unmerklich verändert sich in der Gegenwartsgesellschaft der Charakter unseres Handelns.…

Ein wichtiges, gut geschriebenes Buch für alle, die sich fragen, warum Entscheidungen im Alltag (und Berufsleben) sich so fremdgesteuert anfühlen.

Ein paar passende Treffer aus unseren Empfehlungen: The Long Game, Role Model, Heated Rivalry, Tough Guy.

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