Wenn dir das hier gefiel …
Wackelkontakt
Key Facts
Kritik
Schon nach den ersten Seiten von „Wackelkontakt“ spürt man, dass Wolf Haas hier wieder mal etwas ganz Eigenes und Verdrehte geschaffen hat – sein typischer Humor trifft auf eine fulminante Erzählweise, die einen einfach nicht mehr loslässt. Im Zentrum stehen Franz Escher, ein Mann, der geduldig auf den Elektriker wartet, weil seine Steckdose nicht so recht mitspielen will, und Elio Russo, ein Mafia-Kronzeuge, der im Gefängnis hockt und Angst um sein Leben hat. Beide Männer sind Welten für sich, ihre Geschichten verzahnen sich auf eine Art und Weise, die so clever wie poetisch ist – ein Puzzle, das langsam seine Form annimmt, während man erst noch denkt, man schaut in zwei ganz unterschiedliche Leben.
Was Haas hier abliefert, ist keine schnöde Krimi-Erzählung, sondern ein Tanz auf dem Drahtseil zwischen Realität und Erzählkunst, der mit teils skurrilen Figuren, tiefgründigen Momenten und herrlich trockenem Witz aufwartet. Besonders Franz’ Perspektive, sein gedankliches Umschalten zwischen Warten und Grübeln, bringt eine fast meditative Komik mit sich. Gleichzeitig erzeugt die ständige Verknüpfung der beiden Erzählstränge eine Spannung, bei der man sich fragt: Wie zur Hölle passt das alles zusammen? Zwischendurch musste ich einfach schmunzeln, manchmal laut lachen – und genau das macht diesen Roman so lebendig.
Ein kleiner Wermutstropfen ist vielleicht, dass sich die Geschichte an manchen Stellen etwas verzettelt. Die verworrenen Beziehungen und die vielen Geheimnisse sind zwar Teil des Charmes, können aber ab und an ein wenig Geduld erfordern. Wer jedoch Spaß an unkonventionellen Erzählungen hat, bei denen nicht alles sofort klar ist, wird genau darin den Reiz finden.
Kurz und knapp: „Wackelkontakt“ ist ein herrlich verschrobenes Leseabenteuer mit Witz, Tiefe und einem Hauch Wahnsinn – perfekt für alle, die Literatur mögen, die sich nicht unbedingt an die Regeln hält. 4,5 von 5 Sternen für ein Buch, das gerne ein paar Wackelkontakte mehr im Leben hätte.