Wenn dir das hier gefiel …
Der Schwarm
Key Facts
Kritik
Kaum ein Buch hat mich in letzter Zeit so aufs Meer hinausgezogen, ohne tatsächlich nass zu werden, wie „Der Schwarm“ von Frank Schätzing. Dieses Mammutwerk nimmt dich mit auf eine Reise, die an den Abgrund der menschlichen Hybris führt – denn die Natur schlägt zurück, und zwar nicht leise, sondern mit einem Paukenschlag, der sich in den tiefsten Ozeanen abspielt.
Im Zentrum stehen verschiedene Charaktere, die trotz ihrer Fachkompetenz keineswegs wie bloße Wissenspakete wirken. Sigur Johanson, der norwegische Biologe mit einem Blick fürs Große und Kleine, und Leon Anawak, der indianische Walforscher, verkörpern die Hoffnung und das menschliche Ringen mit einer unbekannten Bedrohung. Karen Weaver, die hartnäckige Journalistin, ist der Bindeglied zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit – glaubwürdig, engagiert und mit jeder Menge Grips. Schätzing gelingt es, diese Figuren lebendig zu halten, auch wenn sie manchmal ein bisschen zu sehr in ihren Rollen verharren. Aber hey, bei so einem Umfang darf man nicht erwarten, dass jeder immer sympathisch und rundum perfekt ist.
Was ich besonders gefeiert habe, ist der Schreibstil: zugänglich, spannend genug, um auch mal durch lange Erklärungen nicht gänzlich die Lust zu verlieren, und dabei so fundiert recherchiert, dass man das Ganze fast als wissenschaftlichen Roman durchgehen lassen könnte. Allerdings hat mich das Buch auch gefordert – ja, an manchen Stellen zieht sich die Story wirklich wie Kaugummi. Es fluten einem Tiefgang und Details entgegen, die Begeisterte sicherlich lieben, für Leserinnen und Leser, die’s gerne knackiger mögen, können das so manchen Lesemarathon zäh machen. Hier hätte der Autor gerne etwas mehr Schneid reinbringen können.
Auch das Ende polarisiert: Gerade, weil es nicht ins klassische Hollywood-Muster fällt, können einige mit dem Schluss etwas weniger glücklich werden. Für mich passte die Auflösung aber zum gesamten Ton des Buches – nicht kitschig, nicht simpel, sondern eher nachdenklich und düster in seiner Konsequenz.
Kurz gesagt: Wenn du Lust auf einen Thriller hast, der mehr will als nur Spannung – der dir auf den Zahn fühlt, wie der Mensch mit der Natur tanzt oder eben tanzen sollte – und dich nicht scheust, hin und wieder durch wissenschaftlichen Tiefgang zu tauchen, dann ist „Der Schwarm“ dein Buch. Für Freunde von schnellem Nervenkitzel ist es eher nichts, aber wer eine Geschichte mit Relevanz und einem Hauch Weltuntergangsgefühl sucht, darf ruhig zugreifen.
3,5 von 5 Sternen – ein umfangreicher, kluger Thriller, der sich durchbeißen lohnt, auch wenn nicht jeder Abschnitt ein Volltreffer ist.
Klappentext
Frank Schätzing inszeniert die weltweite Auflehnung der Natur gegen den Menschen. Ein globales Katastrophenszenario zwischen Norwegen, Kanada, Japan und Deutschland, und ein Roman voller psychologischer und politischer Dramen mit einem atemberaubenden Schluss. Ein Fischer verschwindet vor Peru, spurlos. Ölbohrexperten stoßen in der norwegischen See auf merkwürdige Organismen, die hunderte Quadratkilometer Meeresboden in Besitz genommen haben. Währenddessen geht mit den Walen entlang der Küste British Columbias eine unheimliche Veränderung vor. Nichts von alledem scheint miteinander in Zusammenhang zu stehen. Doch Sigur Johanson, norwegischer Biologe und Schöngeist, glaubt nicht an Zufälle. Auch der indianische Walforscher Leon Anawak gelangt zu einer beunruhigenden Erkenntnis: Eine Katastrophe bahnt sich an. Doch wer oder was löst sie aus? Während die Welt an den Abgrund gerät, kommen die Wissenschaftler zusammen mit der britischen Journalistin Karen Weaver einer ungeheuerlichen Wahrheit auf die Spur.
Das globale Katastrophenszenario, das Frank Schätzing Schritt für Schritt mit beklemmender Logik entfaltet, ist von erschreckender Wahrscheinlichkeit. Es basiert auf so genauen naturwissenschaftlichen und ökologischen Recherchen, dass dieser Roman weit mehr ist als ein großartig geschriebener, spannungsgeladener Thriller. Das Buch stellt mit großer Dringlichkeit die Frage nach der Rolle des Menschen in der Schöpfung. Mit Der Schwarm, seinem sechsten Buch, hat sich der Kölner Bestsellerautor Frank Schätzing in die erste Reihe großer internationaler Thriller-Autoren geschrieben. Ein seltenes Ereignis in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.