Wenn dir das hier gefiel …
Dabei waren wir uns immer so nah
Key Facts
Kritik
Man kennt das: Freundschaften, die einem das Herz wärmen, weil man glaubt, sie würden ewig halten – und dann knarzt es plötzlich irgendwo, der Alltag zieht dazwischen und auf einmal sind die gemeinsamen Momente rar und kostbar. Genau dieses Gefühl bringt Jette Kötschau in „Dabei waren wir uns immer so nah“ auf den Punkt. Drei Freundinnen, Anfang 30, jede hat ihr eigenes Leben, ihre eigenen Träume, Sorgen und Herausforderungen, und genau daran wird ihre engste Verbindung auf eine harte Probe gestellt.
Henri, Merle und Katharina sind keine perfekten Heldinnen aus einem Feel-Good-Roman, sondern echte Menschen mit Ecken und Kanten: Henri mit ihrem wilden Herz und dem Traum vom eigenen Kino, Merle, die durch die schlaflosen Nächte mit Baby taumelt, und Katharina, die in der Buchhandlung zwar ihren Frieden sucht, aber mit ihren Gefühlen ringt. Das macht die Figuren nahbar und lebendig, und ich habe beim Lesen mehr als einmal gedacht: „Hey, das kenne ich!“ Ihr Zusammenspiel wirkt authentisch, die Dialoge sind locker und ehrlich, ohne jemals ins Kitschige abzurutschen.
Jette Kötschaus Schreibstil passt perfekt zur Story – unkompliziert, direkt und gefühlvoll. Man gleitet durch die Seiten, erlebt mit, wie Freundschaft wächst, bröckelt und irgendwo zwischen den alltäglichen Rissen versucht, sich zu halten. Besonders gut gefallen hat mir, wie das Buch ganz ohne dramatische Höhepunkte auskommt und trotzdem tief berührt. Es ist eher eine leise Bestandsaufnahme des Lebens, die zeigt, wie komplex und schön Freundschaften sein können, auch wenn sie nicht mehr so einfach sind wie früher.
Ein kleiner Wermutstropfen: Manchmal hätte ich mir ein bisschen mehr Tempo und vielleicht ein paar unerwartete Wendungen gewünscht – die Geschichte bleibt angenehm entspannt, was nicht jedermanns Sache ist. Aber genau dieser ruhige Ton macht das Buch auch wieder besonders.
Fazit: Wer keine knallharte Action erwartet, sondern auf der Suche nach einer warmherzigen, ehrlichen Geschichte über Freundschaft und die Herausforderungen des Erwachsenseins ist, liegt hier genau richtig. „Dabei waren wir uns immer so nah“ fühlt sich an wie ein vertrautes Gespräch unter Freundinnen – manchmal ein bisschen chaotisch, manchmal zärtlich, aber immer echt.
**½ von 5 Sternen – eine empfehlenswerte, nuancierte Lektüre, die lange nachklingt.
Klappentext
Eigentlich dachten Henri, Merle und Katharina, dass ihre Freundschaft sich nie verändern würde. Dass sie für immer leicht, unbeschwert und selbstverständlich bleiben würde. Doch jetzt mit Anfang dreißig klafft der Alltag der drei immer weiter auseinander und aus täglichen Treffen sind mühsame Terminfindungen geworden. Während Henri ihren Traum vom eigenen Kino verfolgt und von einer Party zur nächsten zieht, kennt Merle lange Nächte nur noch, weil ihr Baby nicht schlafen will. Und Katharina liebt zwar ihren Job in der Buchhandlung, ihrer Gefühle für ihren Partner ist sie sich aber nach zehn Jahren Beziehung nicht mehr sicher.
Plötzlich scheint das, was sie trennt, schwerer zu wiegen als die Gemeinsamkeiten von früher. Während jede für sich mit den Herausforderungen des Erwachsenseins kämpft, wächst die Sehnsucht nach der alten Nähe und Leichtigkeit.
Doch wie hält man eine Freundschaft, deren Teile wie Eisschollen auseinanderdriften?