Wenn dir das hier gefiel …
Sanditz
Key Facts
Kritik
Manchmal stolpert man über ein Buch, das sich anfühlt wie ein langer Spaziergang durch vertraute Straßen – bei „Sanditz“ von Lukas Rietzschel ist das genau so. Der Roman nimmt dich mit in eine Kleinstadt am Rande der Republik, in der Menschen leben, die man am liebsten gleich kennenlernen möchte: alte Offiziere, Träumerinnen, Lokaljournalistinnen, und vor allem die Familie Wenzel, deren Leben sich durch die Umbrüche von der DDR bis zur Gegenwart zieht.
Was hier besonders beeindruckt, ist dieser vielschichtige Blick auf eine deutsche Gesellschaft im Wandel. Statt großer Dramen gibt es kleine, echte Geschichten, die sich zu einem lebendigen Panorama zusammenfügen. Rietzschel schreibt so warmherzig und gleichzeitig präzise, dass man förmlich spürt, wie sich die Geschichte in den Straßen und Herzen der Sanditzer abspielt. Die Charaktere wirken nie überzeichnet, sondern authentisch – mit all ihren Schwächen und Hoffnungen.
Der Erzählstil ist locker, ohne oberflächlich zu sein, und man spürt, wie viel Liebe zum Detail in der Recherche steckt. Das multigenerationale Geflecht macht Lust, immer weiterzulesen, auch wenn man zwischendurch mal das Gefühl hat, bei mancher Perspektive etwas länger durchhalten zu müssen. Aber hey, das ist eben auch echtes Leben – nicht jeder Moment ist ein Highlight, und das spiegelt Rietzschel ehrlich wider.
Wenn du auf der Suche nach einem Roman bist, der historisches Bewusstsein mit einer Portion Melancholie und Lebensnähe verbindet, bist du hier richtig. Für eine Prise mehr Tempo könnte man das Buch eventuell etwas straffen, aber das schmälert nicht den Gesamteindruck.
Fazit: Ein mitfühlender, kluger Roman über kleine und große Aufbrüche, der dich noch lange begleiten wird – ideal für alle, die gerne in die Tiefe gehen und echte Geschichten mögen.
4 von 5 Sternen.
Klappentext
Sanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler, Orgelbauer, Fliesensammler, Lokaljournalistinnen, selbsternannte Widerständler, Träumerinnen, Frührentner, Kinder, Liebespaare, verhuschte Archivare und die Familie Wenzel.
Warmherzig und multiperspektivisch verwebt Lukas Rietzschel die Erzählung der Familie und der Sanditzer Stadtbewohner zu einem Panorama deutscher Geschichten – vom Ende der DDR bis in die jüngste Gegenwart, vom Besetzen der örtlichen Stasi-Zentrale bis zum Kampf eines Freiwilligen in der Ukraine, vom Abrackern auf westdeutschen Baustellen bis zum isolierten Inseldasein während der Corona-Epidemie.
Ein Roman über Aufbruch und Niedergang, Gelingen und Scheitern des Aufruhrs, Freundschaft und Familie in umwälzenden Zeiten, über den Wunsch nach Zugehörigkeit und die Sehnsucht nach Freiheit.