Wenn dir das hier gefiel …
Der Mord
Key Facts
Kritik
„Der Mord“ von Franz Kafka – Kurz, kryptisch, klassisch?
Wer sich in die literarische Welt von Kafka stürzt, weiß meist: Hier gibt’s keine klassischen Krimi-Handlungen oder einfache Antworten. „Der Mord“ aus dem Jahr 1917 ist da keine Ausnahme – obwohl es in der Kürze liegt. Kaum mehr als 9 Seiten, zieht diese Erzählung, die eine frühe Fassung von „Ein Brudermord“ ist, einen in eine düstere, fast schon surreale Atmosphäre.
Die Handlung? Ein mysteriöser Mord, um den sich das Geschehen dreht, ohne dass Kafka viel verrät. Die Figuren bleiben mehr schemenhaft als greifbar, und trotzdem spürt man die Schwere der Tat und die bedrückende Stimmung, die typisch für den Autor ist. Kafkas Schreibstil ist hier, wie gewohnt, klar, kalt und präzise, aber auch rätselhaft durch die komprimierte Erzählweise. Für Fans seiner düsteren Psychogramme und Liebhaber kompakter Literatur genau das Richtige!
Was ich besonders mochte, ist diese knappe, beinahe fragmentarische Form, die mehr Fragen aufwirft als beantwortet – spannend, aber manchmal auch ein bisschen frustrierend, wenn man sich mehr Tiefgang wünscht. Wer allerdings nach einem „richtigen“ Buch mit kompletter Handlung sucht, könnte enttäuscht sein. Hier fehlen nämlich die ausführlichen Charakterzeichnungen und Hintergründe, die man sonst von Kafka kennt.
Kurz gesagt: „Der Mord“ ist eher ein literarischer Snack als ein ausladendes Menü – für Freunde kafkaesker Stimmung und knackiger Kurzlektüre definitiv einen Blick wert. Für alle, die auf dicke Romane setzen, eher ein Zwischendurch-Titel.
Bewertung: 3 von 5 Sternen – gelungen, aber eben sehr kurz und manchmal etwas unbefriedigend. Ein schönes Stück Kafka, aber kein Roman, der dich lange begleitet.