Wenn dir das hier gefiel …
Schatten der Welt
Key Facts
Kritik
Manchmal packt einen ein Buch einfach von der ersten Seite an – „Schatten der Welt“ von Andreas Izquierdo hat genau das bei mir geschafft. Wer sich für Geschichten interessiert, die irgendwo zwischen den großen Umbrüchen der Geschichte und dem ganz persönlichen Erwachsenwerden spielen, sollte hier unbedingt innehalten. Die Geschichte entführt uns ins Thorn von 1910, wo drei Jugendliche – der schüchterne Carl, der draufgängerische Artur und die freche Isi – voller Hoffnung irgendwie den Ernst des Lebens noch eine Weile hinauszögern wollen. Dass ein Komet namens Halley die Menschheit bedroht, scheint bei ihnen kaum mehr als ein amüsanter Hintergrund zu sein, ganz im Gegenteil: Mit cleverer Naivität verkaufen sie sogar Pillen gegen den angeblichen Weltuntergang.
Was das Ganze so besonders macht, sind für mich die Figuren und wie Izquierdo sie zum Leben erweckt. Carl, Artur und Isi sind nicht nur historische Charaktere im Szenario eines aufziehenden Krieges, sondern echte junge Menschen mit Träumen, Fehlern und all dem Chaos, was das Erwachsenwerden so mit sich bringt. Der Erzählstil ist dabei wunderbar zugänglich, flüssig und mit einer Prise Humor gewürzt, die das ernste Thema nicht schwerfällig macht, sondern eher greifbar und nahbar. Der Autor hat ein feines Gespür dafür, Gefühle und Atmosphäre einzufangen, ohne dabei je zu melodramatisch zu werden.
Klar, ein bisschen Geduld muss man beim Tempo mitbringen: Einige Kapitel laden eher zum Nachdenken ein als zum Herzrasen. Für jemanden, der auf reine Action oder ständige Spannung aus ist, könnte das ein Stolperstein sein – aber für alle, die auf historische Tiefe und Charakterentwicklung Lust haben, ist das eher ein Plus. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist, dass manche Nebenhandlung manchmal etwas zu kurz kommt, was mich an einigen Stellen neugierig auf mehr zurückgelassen hat.
Alles in allem ist „Schatten der Welt“ eine rundum gelungene Mischung aus Abenteuer, historischer Faszination und persönlichem Wachstum. Die Geschichte bleibt im Kopf, weil sie so ehrlich wirkt – nicht perfekt, sondern echt. Ein Buch, das einen ganz langsam und beständig in seinen Bann zieht und lange nachwirkt. Für alle, die gerne in eine vergangene Zeit eintauchen und dabei das Chaos des Heranwachsens spüren wollen, ist dieses Buch definitiv eine Empfehlung wert.
4 von 5 Sternen.
Klappentext
Thorn in Westpreußen, 1910. Der schüchterne Carl, der draufgängerische Artur und die freche Isi sind frohen Mutes, dass der Ernst des Lebens noch ein wenig auf sich warten lässt. Nicht einmal die Nachricht, dass ein Komet namens »Halley« die Menschheit zu vernichten droht, kann die drei Jugendlichen schockieren. Im Gegenteil – ungerührt verkaufen sie Pillen gegen den Weltuntergang, während Halley still vorbeizieht.
Doch das Erwachsenwerden lässt sich nicht aufhalten: Carl beginnt eine Ausbildung zum Fotografen, Artur und Isi werden ein Paar. Als 1914 die große Weltpolitik über sie hineinbricht, reißt es die Freunde auseinander. Artur und Carl werden eingezogen, fernab der Heimat werden die beiden Teil eines Kriegs, der jede Vorstellungskraft sprengt. Derweil hat Isi zuhause in Thorn ganz andere Kämpfe auszufechten.
1918 ist der Krieg endlich vorbei. Nichts ist geblieben, wie es einmal war – und doch scheint ein Neuanfang möglich …
Mitreißend und mit viel Gefühl für seine Figuren erzählt Andreas Izquierdo die Geschichte dreier Jugendlicher, die in den Wirren des frühen 20. Jahrhunderts ihren Weg suchen. ›Schatten der Welt‹ ist Abenteuerroman, Coming-of-Age-Geschichte und spannender historischer Roman zugleich.