Die Spur der Schatten
Key Facts
Kritik
Schon in den ersten Seiten von „Die Spur der Schatten“ fühlt man sich mitten in die düstere Atmosphäre Edinburghs gezogen, die James Oswald hier ganz wunderbar einfängt. Zwei Kurzkrimis rund um Detective Inspector Anthony McLean laden ein, mit ihm in düstere Ecken und menschliche Abgründe einzutauchen, ohne den Roman zu überfüllen – genau das macht den Reiz aus.
In „Böse Folgen“ steht die mysteriöse Leiche eines Teenagers im Zentrum, den scheinbar niemand vermisst – ein klassischer Fall, der trotz der kurzen Form atmosphärisch dicht und spannend erzählt wird. „Job“ wartet mit einem traurigen Fund auf einem verschneiten Friedhof auf: ein erfrorener Obdachloser, dessen Geschichte McLean Stück für Stück enthüllt. McLean selbst ist dabei kein glatter Held, sondern ein Ermittler mit Ecken und Kanten, was ihn sehr authentisch macht. Oswalds Schreibstil ist klar und unaufgeregt, mit genügend Details, um die Szenen lebendig werden zu lassen, ohne langatmig zu wirken.
Was ich besonders mochte: Die Geschichten bauen sich langsam auf und halten immer eine gehörige Portion Spannung bereit. Zwischendurch dachte ich mehr als einmal „Ah, clever gemacht!“, weil die kleinen Hinweise gut gesetzt sind. Trotzdem fehlt am Ende vielleicht das ganz große Knallmoment, um vollends umgehauen zu werden. Manchmal wünscht man sich etwas mehr Tiefgang bei den Figuren, aber das wäre bei so kurzen Storys sicherlich zu viel verlangt.
Kritisch angemerkt sei, dass der Titel etwas mehr verspricht, als die Kurzkrimis tatsächlich bieten – einige Leser:innen fühlten sich daher leicht enttäuscht. Für Fans von atmosphärischen, kompakten Krimis mit einem Schuss Melancholie aber auf jeden Fall eine Empfehlung. Auch toll: Das enthaltene Probekapitel von „Der dunkle Ort der Seele“ macht neugierig auf mehr von Oswald.
Kurz gesagt: Wer Lust auf knackige, düstere Kriminalgeschichten aus Edinburgh hat und McLean kennenlernen will, kann hier bedenkenlos zugreifen. Für mich solide solide 3,5 Sterne – spannend, atmosphärisch, aber mit ein bisschen Luft nach oben.
Klappentext
"Böse Folgen": Die Leiche eines Teenagers, abgelegt in einer verwahrlosten Gegend Edinburghs, gibt der Polizei Rätsel auf. Wer war der Junge, den niemand zu vermissen scheint? Und wie kam er zu Tode? Detective Inspector Anthony McLean ermittelt …
"Job": Auf einem verschneiten Friedhof bietet sich DI McLean ein erschütternder Anblick: An einem Grabstein kauert ein toter Obdachloser, seine Hand umklammert ein Herz aus Holz. Offenbar ist der Mann erfroren. McLean will mehr über das Schicksal des Verstorbenen in Erfahrung bringen und gelangt zu einer erschütternden Erkenntnis …