Wenn dir das hier gefiel …
Die Stockholm-Protokolle
Key Facts
Kritik
Gleich beim ersten Kapitel zieht „Die Stockholm-Protokolle“ einen so in den Strudel der Machtspielchen und politischen Intrigen, dass man einfach nicht mehr abschalten kann. Da steckt nicht nur Spannung drin, sondern auch dieses knisternde Gefühl von Nähe – man fühlt sich fast, als würde man durch die schwedischen Flure von Rosenbad schleichen und mit Julia und Alfred mitfiebern.
Im Kern geht’s um Julia, die investigative Journalistin, die an eine heiße Geschichte gerät: Ihr Verdacht, dass Schwedens charmanter Ministerpräsident hinter verschlossenen Türen weniger souverän ist, als sein öffentliches Image vermuten lässt, bringt sie gehörig in Gefahr. Parallel dazu stolpert ihr Ehemann Alfred, der von der Windkraft kommt, überraschend selbst in die politischen Machtgefühle – was die Situation für alle nur noch vertrackter macht. Weit weg von einem schnöden Politthriller schaffen es die Autoren, hier familiäre, emotionale Konflikte und den Kampf um Wahrheit und Macht überzeugend und spannend zu verknüpfen.
Julia und Alfred sind keine eindimensionalen Helden, sondern gerade durch ihre Ecken und Kanten so glaubwürdig. Man spürt den inneren Zwiespalt – vor allem bei Julia, die zwischen ihrem Ehrgeiz und ihrer Liebe hin- und hergerissen ist. Joakim Zanders Insiderinfos aus der Politik und Moa Berglöfs Blick hinter die Kulissen ergeben eine Mischung, die nicht nur Fakten verknüpft, sondern auch echtes Leben einhaucht. Der Schreibstil ist flott, ohne oberflächlich zu wirken, mit einem angenehm klaren Ton, der nie langweilt.
Klar, manchmal hätte ich mir ein bisschen mehr Tempo gewünscht – manche Passagen ziehen sich etwas, besonders wenn es ans Erklären politischer Zusammenhänge geht. Aber gerade diese Tiefe sorgt eben auch für den nötigen Spannungsaufbau. Und hey, ein Buch, das durch mehr als lautes Actiongefühl besticht, darf auch mal etwas nachdenklicher sein.
Wer Lust auf einen Politthriller mit echtem Mehrwert und gutem Personal hat – und auch ein bisschen Drama zwischen Job und Liebe abkann –, für den ist „Die Stockholm-Protokolle“ genau das richtige Buch. Kein Hollywood-Blockbuster, aber ein kluges Pageturner-Erlebnis aus Schweden, das Lust auf mehr macht.
4 von 5 Sternen – spannend, dicht und voller Herz, mit kleinen Wermutstropfen, die man auf der spannenden Reise gerne verzeiht.
Klappentext
Die Stockholmer Investigativjournalistin Julia verfolgt eine heiße Spur: Alles deutet darauf hin, dass der charismatische, beliebte Ministerpräsident Schwedens auch dunkle Seiten hat. Der nach außen liebende Familienvater scheint einen Hang zu exzessiven Partys zu haben, die auf Missbrauch schließen lassen. Und er pflegt politische Netzwerke, die einen Rechtsruck bedeuten könnten. Als Julia von ihrem Chefredakteur kaltgestellt wird, ahnt sie, wie hochbrisant die Sache ist. Erst recht als ihr politisch unerfahrener Ehemann, Windkraft-Experte Alfred, plötzlich zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten ernannt wird. Julia kann Alfred nicht sagen, was sie sofort vermutet: Dieser Job wurde ihm nur angeboten, um sie endgültig zum Schweigen zu bringen. Trotzdem beschließt sie, weiter zu ermitteln.
Währenddessen schlägt sich Alfred erstaunlich gut im Polit-Dschungel. Doch in den Korridoren der Macht stößt er auf Betrug und Geheimnisse. Er beginnt nachzuforschen und stellt fest, dass die schmutzigen Geschäfte weit über die Mauern des schwedischen Regierungssitzes Rosenbad hinausreichen ...
Der Auftakt einer neuen Reihe von einem Duo mit geballtem Insiderwissen: Joakim Zander ist EU-Experte und Bestsellerautor, Moa Berglöf war jahrelang Redenschreiberin des schwedischen Ministerpräsidenten.