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Andere nennen es Urlaub
Key Facts
Kritik
Manchmal hat man das Gefühl, dass das Leben einen mit Volldampf in die Sackgasse jagt – genau so fühlt sich „Andere nennen es Urlaub“ von Franka Bloom an, und zwar auf eine Weise, die richtig unter die Haut geht. Netti, Mitte fünfzig und mit mehr Baustellen im Gepäck, als man an zehn Fingern abzählen kann, ist genau diese Gestalt, die man sofort gernhaben will. Sie steckt all zu menschlich in einer Krise: Job weg, Beziehung passé, Sohn startklar zum Auszug – und dann der sensible Papa Bruno, der plötzlich alles durcheinanderwirbelt.
Die Handlung nimmt den Leser mit auf eine Reise, die so weit mehr als bloßes Urlaubsgepäck umfasst. Denn hinter dem italienischen Roadtrip, der vielversprechend nach Sonne, Meer und Freiheit klingt, spürt man schnell, dass es um familiäre Bande, alte Verletzungen und das erneute Findens des eigenen Lebenssinns geht. Netti mit ihrem trockenen Humor und einem Herzen, das manchmal klammern will, ist eine Figur, bei der man zwischen Schmunzeln, Stirnrunzeln und Mitgefühl hin- und herpendelt. Ihr Vater Bruno ist mit all seinen Ecken und Kanten ebenso lebendig gezeichnet – und die wachsende Reisegruppe macht das Ganze zu einem heiteren wie chaotischen Abenteuer.
Franka Blooms Schreibstil ist angenehm locker und nahbar, ohne sich in Klischees zu verlieren. Die Dialoge sprühen vor Lebendigkeit, und die Beschreibungen fühlen sich an wie ein kleines, warmes Plädoyer fürs Durchatmen – auch wenn das Leben öfter mal dazwischenfunkt. Besonders gut gefallen hat mir, wie die Autorin die Balance zwischen Humor und ernsteren Momenten hält, sodass sich das Buch wie ein gute Freundin liest, die ehrlich rät, statt zu moralisieren.
Ein kleiner Haken: Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass die Seiten noch ein bisschen tiefer in die Gefühlswelt der Protagonistin eintauchen – stellenweise blieb’s mir etwas zu oberflächlich, gerade wenn es um die Beziehung zu ihrem Vater geht. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn generell zieht einen die Geschichte trotz kleiner Schwächen schön in den Bann.
Wer also Lust auf eine warme, nicht perfekt aber dafür echt erzählte Geschichte hat, die Familie in all ihrer Unordnung zeigt, ohne den Humor zu verlieren, liegt hier genau richtig. „Andere nennen es Urlaub“ ist kein klassischer Wohlfühlurlaub – eher ein ehrlicher Trip durch das wilde Terrain des Lebens.
4 von 5 Sternen.