Wenn dir das hier gefiel …
Tschick
Key Facts
Kritik
Manchmal packt einen eine Geschichte genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet – bei „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf ist das der Fall. Zwei Jungs, ein geklauter Lada und eine chaotische Sommerreise quer durch das unbekannte Deutschland – mehr braucht es eigentlich nicht, um sofort mitzufiebern. Maik, der eher zurückhaltende Außenseiter, und Tschick, der ungestüme Draufgänger mit schwierigem Hintergrund, könnten kaum unterschiedlicher sein, doch gerade das macht ihre Freundschaft so authentisch und berührend.
Herrndorf gelingt es, aus einer vermeintlich simplen Roadtrip-Geschichte ein lebendiges Kaleidoskop jugendlicher Sehnsüchte und unerwarteter Momente zu weben. Sein Schreibstil ist angenehm leicht, oft witzig und zugleich ehrlich, wodurch die Figuren schnell ins Herz wachsen. Die Reise durch die Provinz wird zur Reise zu sich selbst – völlig ohne große Heldentaten, dafür mit umso mehr Ecken und Kanten. Da fühlt man sich mittendrin, als würde man mit in dem klapprigen Gefährt sitzen und jede Ungewissheit hautnah spüren.
Natürlich ist „Tschick“ kein Buch, das jedem sofort den Atem raubt. Manche mögen das offene Ende oder die eher unspektakuläre Handlung als zu zaghaft empfinden. Und ja, die Story läuft manchmal ein bisschen flockig und nicht immer logisch-reibungslos, aber genau diese Unperfektheit macht eine Mischung aus Herzlichkeit und Coolness aus, die das Buch zu einem besonderen Lesegenuss macht.
Wer Lust auf eine lockere Lektüre mit Tiefgang hat, die ohne viel Schnickschnack von Freundschaft und damit verbundenem Chaos erzählt, sollte bei „Tschick“ unbedingt reinschauen. Für Leser:innen, die komplexe Plotkniffe und dramatische Höhepunkte suchen, ist das Buch vielleicht nicht das richtige Terrain.
Alles in allem ein solides, unterhaltsames Buch, das mit Charme und einer Portion Nostalgie punktet – mit Luft nach oben, aber auf jeden Fall lesenswert.
★★★☆☆
Klappentext
Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine unvergessliche Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz.
«Auch in fünfzig Jahren wird dies noch ein Roman sein, den wir lesen wollen. Aber besser, man fängt gleich damit an.» (Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung).