Wenn dir das hier gefiel …
Lacroix und der Flussschiffer von der Seine
Key Facts
Kritik
Manchmal packt einen ein Buch einfach von der ersten Seite, und genau so ging es mir mit „Lacroix und der Flussschiffer von der Seine“. Der Einstieg fühlt sich fast so an, als stünde man selbst auf dem Pont Alexandre III, sieht die schockierten Touristen und ahnt sofort: Hier passiert etwas Dunkles unter der glitzernden Oberfläche von Paris.
Im Mittelpunkt steht Commissaire Lacroix, ein klassischer Bordeaux-Polizist mit Ecken und Kanten, der es nicht leicht hat – nicht nur wegen des kniffligen Falls, sondern auch privat, denn der geplante Ausflug mit seiner Frau ist plötzlich auf Eis gelegt. Zusammen mit seiner Kollegin Jade Rio folgt er einer Spur, die sie tief in die Normandie und die Welt der Flussschiffer führt. Besonders spannend fand ich, wie Alex Lépic diesen Gegensatz zwischen der pulsierenden Metropole Paris und der eher ruhigen, aber brisanten Flusslandschaft einfängt. Die Figuren wirken dabei keinesfalls wie Klischees: Lacroix bleibt sympathisch ehrlich, Jade bringt frischen Wind und die Ermittlungen bekommen durch die persönliche Geschichte der Brüder Poissy eine ganz eigene Tiefe.
Der Stil des Autors ist schnörkellos, praktisch, aber immer mit einem feinen Gespür für Atmosphäre. Man spürt regelrecht den Wind auf der Seine, die Schwere des Falles und das Geräusch des Wassers unter dem Schiff. Natürlich, hier und da hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht – stellenweise zieht sich die Geschichte ein wenig, was besonders bei längeren Ermittlungen etwas zäh werden kann. Aber irgendwie gehört das auch dazu, um die echte Ermittlungsarbeit spürbar zu machen.
Wer Lust hat auf einen französischen Krimi, der nicht nur Spannung, sondern auch einen Blick aufs Leben an der Seine wirft, der ist hier richtig. Für Fans von Ermittlern mit Charakter und einer Geschichte, die auch mal gegen den Strom schwimmt, ist „Lacroix und der Flussschiffer von der Seine“ ein Volltreffer.
Kurz gesagt: ein solider, atmosphärischer Krimi mit sympathischen Figuren und einem Hauch von französischem Flair – genau das Richtige für gemütliche Lesestunden. Von mir gibt’s dafür 4 von 5 Sternen.