Wenn dir das hier gefiel …
Schuld und Sühne
Key Facts
Kritik
Manchmal gibt es Bücher, die einen nicht einfach durch ihre Handlung fesseln, sondern durch die schiere Wucht der Fragen, die sie aufwerfen – genau so ein Buch ist „Schuld und Sühne“ von Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Hier geht’s nicht nur um einen klassischen Krimi, sondern um die tiefen Abgründe menschlicher Seele und Moral. Die Geschichte rund um Rodion Raskolnikow, einen jungen Mann in Sankt Petersburg, der an einem selbst auferlegten Experiment des Gewissens und der Gerechtigkeit scheitert, lässt einen so schnell nicht mehr los.
Dostojewski nimmt uns mit auf eine Reise, die von Verzweiflung, Überheblichkeit und verzweifelter Suche nach Erlösung geprägt ist – und das alles in einem Stil, der erstaunlich lebendig und mitreißend bleibt, obwohl das Werk schon über 150 Jahre alt ist. Die Hauptfigur ist unglaublich komplex: ein zerrissener Kopf, der sich selbst und die Welt herausfordert, ohne dabei in Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen. Dank Dostojewskis psychologischem Feingefühl fühlt man sich zeitweise direkt in Raskolnikows Gefühlswelt versetzt, spürt seine Zweifel, Ängste und das quälende Ringen mit sich selbst.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Mischung aus spannender Handlung und philosophischer Tiefe. Es ist kein Buch für einen gemütlichen Sofa-Nachmittag, eher eine intensive, fast schon spirituelle Erfahrung, die herausfordert und zum Nachdenken anregt. Die Erzählweise ist direkt, manchmal mit einem leichten Anflug von Ironie, und trotzdem bleibt sie nah an den Figuren dran – ein Balanceakt, der Dostojewski meisterhaft gelingt.
Klar, das Buch hat einige Passagen, die sich ziehen, vor allem für Leser, die schnelle Action bevorzugen. Manchmal könnte man sich ein bisschen mehr Straffung wünschen, denn die vielen Gedankengänge sind nicht immer leicht zu verdauen. Aber die richtige Portion Geduld lohnt sich definitiv.
Wenn du Lust auf ein Buch hast, das nicht nur unterhält, sondern auch dein Weltbild ein Stück weit auf den Kopf stellt, dann ist „Schuld und Sühne“ genau das Richtige. Wer sich für menschliche Abgründe und moralische Fragen interessiert, wird hier eine tiefgründige und spannende Lektüre finden.
4 von 5 Sternen – ein Klassiker, der auch heute noch beeindruckt und zum Grübeln bringt.
Klappentext
Der Roman wurde, während Dostojewski laufend weitere Kapitel schrieb, als Feuilletonroman in 12 Fortsetzungen in der Monatszeitschrift Russki Westnik veröffentlicht, beginnend Ende Januar 1866 und endend im Dezember 1866.
Der russische Originaltitel des Romans, Prestuplenije i nakasanie, lässt sich nicht exakt ins Deutsche übertragen.
Der geläufigste Übersetzungstitel ist Schuld und Sühne, trifft mit seiner stark moralischen Orientierung jedoch nicht die russischen Termini, die eher aus dem juristischen Sprachgebrauch stammen.
Genauer ist die Übersetzung als Verbrechen und Strafe, die aber wiederum den durchaus vorhandenen ethischen Gehalt der russischen Begriffe nicht ganz erfasst. Dieser Titel wurde nach Alexander Eliasberg 1921 unter anderem von Swetlana Geier in ihrer viel beachteten Neuübersetzung von 1994 verwendet, als mögliche Alternativen nennt Geier die Worte Übertretung und Zurechtweisung.
In anderen Sprachen wie dem Englischen, Französischen und Polnischen wurde dagegen der Titel Verbrechen und Strafe schon immer bevorzugt verwendet (Crime and punishment, Crime et châtiment bzw. Zbrodnia i kara). Der Roman wurde im Deutschen teilweise auch unter dem Namen seiner Hauptfigur, Rodion Raskolnikow, herausgegeben.
(aus wikipedia.de)