Wenn dir das hier gefiel …
Romulus der Große
Key Facts
Kritik
Wenn man denkt, Geschichte sei staubtrockene Pflichtlektüre, dann macht „Romulus der Große“ von Friedrich Dürrenmatt da ganz schnell einen Strich durch die Rechnung. Dieses Stück serviert einem nicht nur eine feine Portion Historie, sondern verpackt sie in einen absurden und dabei unfassbar scharfsinnigen Clash zwischen Pflicht, Moral und einer skurrilen Vorliebe für Hühner.
Im Fokus steht Romulus, der letzte Kaiser eines Reichs, dem offenbar nicht viel mehr am Herzen liegt als seine Hühnerzucht – ambitioniert, eigenwillig und auf seine Art sogar sympatisch fatalistisch. Während das germanische Heer schon vor den Toren steht, will er das Imperium eigentlich nur noch loswerden, weil er es für moralisch verdorben hält. Und dann kommt da dieser Odoaker daher, ein Feldherr, der ebenfalls Hühner liebt und eigentlich nichts sehnlicher möchte, als Unterwerfung – ein echter Gegenpol, der die Szenerie erst so richtig spannend macht.
Dürrenmatts Schreibstil ist dabei ein Genuss: klar, pointiert und niemals verkopft, obwohl die Themen eigentlich durchaus Schwergewicht haben. Zwischen Witz, bitterer Ironie und philosophischer Tiefe balanciert das Stück meisterhaft, ohne je den Zugang zu verlieren. Man schmunzelt, denkt nach und fühlt sich bestens unterhalten – so soll das sein!
Kleiner Haken: Wem dramatische Action und klassische Heldenepik lieber sind, der könnte hier vielleicht ein bisschen zu viel Understatement und Gesprächs-Fokus finden. Die philosophischen Passagen brauchen außerdem schon ein bisschen Aufmerksamkeit – keine schnelle Lektüre nebenbei also.
Fazit: „Romulus der Große“ ist genau das Richtige für alle, die auf kluge, humorvolle Literatur mit Tiefgang stehen, ohne sich in blumigen Umschreibungen zu verlieren. Ein ungewöhnliches Stück über Verantwortung, Stillstand und die überraschende Rolle der kleinen Dinge im großen Spiel der Geschichte.
4 von 5 Sternen – Ein Stück zum Nachdenken und Schmunzeln, das sich lohnt!