Wenn dir das hier gefiel …
Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle
Key Facts
Kritik
Schon die ersten Seiten von „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ ziehen dich direkt in einen Strudel aus Familie, Politik und persönlichem Aufbruch – da bleibt kein Herz unberührt. Valeria Gordeev entwirft eine Geschichte, in der die Lebenswege von Konstantin und Lada zwischen Kyjiw, Moskau und Berlin auf faszinierende Weise kollidieren, während eine Welt aus den Fugen gerät. Konstantins Gefangenschaft in einem düsteren Forschungslabor, das Lenin konserviert, steht im Kontrast zu Ladas Kampf gegen die zunehmende Entfremdung in Berlin – da brodelt es ordentlich unter der Oberfläche.
Was mir besonders gefallen hat, ist Gordeevs Sprachstil: kraftvoll, mit einer Prise Melancholie und einer Portion feiner Ironie. Man spürt, wie die Autorin selbst mit feinen Strichen zeichnet – nicht nur im wörtlichen Sinn durch die Illustrationen, sondern auch mit Worten, die bilderreich und überraschend präzise sind. Die Figuren sind keine einfachen Archetypen, sondern Menschen mit Verstrickungen und Schwächen, die echte Emotionen wecken. Konstantins und Ladas Erlebnisse fassen das Chaos einer Zeit ein, in der das Private politisch und das Politische zutiefst persönlich wird.
Klar, der Plot kann manchmal ein kleines bisschen überfrachtet wirken, gerade wenn Gordeev in transhumanistische Ambitionen und Oligarchen-Politik eintaucht – da hätte ich mir ein wenig mehr Fokus gewünscht, denn einige Passagen ziehen sich dann etwas. Trotzdem wirkt das nicht störend, eher wie ein dichter Teppich aus Ideen, der zum Mitdenken einlädt.
Wenn du auf spannende Familiengeschichten stehst, die in einem politischen Spannungsfeld spielen und dabei mit einer Sprache überraschen, die sowohl poetisch als auch unmittelbar ist, dann solltest du hier unbedingt reinschauen. Es ist ein Buch, das fordert, aber auch belohnt – und am Ende lässt es dich mit einer Mischung aus Verwunderung und Bewunderung zurück.
4 von 5 Sternen – ein starkes Debüt, das neugierig macht auf mehr von Valeria Gordeev.
Klappentext
Eine Familie zwischen Kyjiw, Moskau und Berlin und eine Welt, die aus den Fugen geraten ist
Sprachgewaltig, lustvoll und berauschend: Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester Lada in Berlin mit einer Sanierung, die ihr Wohnhaus unbewohnbar macht. Auch versteht sie nicht, warum ihr Bruder nach Kriegsbeginn in Moskau geblieben ist, doch steckt Konstantin bis zum Hals in Schwierigkeiten, an denen sein Patenonkel nicht unschuldig ist, ein Oligarch mit transhumanistischen Ambitionen, der auch Lada in Bedrängnis bringt. Eine Wunderkammer und ein Höllenritt.
Mit Zeichnungen der Autorin, farbigem Vorsatzpapier und Lesebändchen