Wenn dir das hier gefiel …
Oktoberfest
Key Facts
Kritik
Man taucht sofort ein in ein wildes Spektakel, das zwischen Wahnsinn und Faszination oszilliert – Stefanie Sargnagels „Oktoberfest“ ist wie eine Achterbahnfahrt durch den Rausch, die man so schnell nicht vergisst. Die Autorin nimmt uns mit auf ihre ganz persönliche Expedition ins Herz des Münchner Oktoberfests, einem Ort, der gleichzeitig Himmel und Hölle sein kann, je nachdem, wie tief man sich in die Maßglas-Realität stürzt.
Im Fokus steht dabei nicht nur das hemmungslose Feiern, Saufen und Ausflippen, sondern vor allem der feine kulturelle Tanz zwischen Österreich und Bayern, den Sargnagel mit spitzer Beobachtungsgabe und ihrem unverkennbaren Wiener Schmäh kommentiert. Ihre Hauptfigur — so sie denn eine klassische Protagonistin ist — gleitet zwischen staunendem Beobachten, teilnehmendem Mittun und gnadenlosem Schonungslos-Sein hin und her. Dieser Ton macht das Buch besonders: Es ist komisch, absurd und an manchen Stellen so überdreht, dass man sich fragt, was echt ist und was unter dem Einfluss der Maßfiguren entstanden ist.
Der Schreibstil trägt maßgeblich zum Lesevergnügen bei – locker, unverblümt, dabei aber intelligent und sehr pointiert. Man spürt, dass Sargnagel nicht nur mit viel Humor, sondern auch mit einem gewissen Respekt für das Chaos an sich unterwegs ist. Klar, manchmal schleichen sich Überzeichnungen ein, die ein bisschen stark ins Groteske kippen und etwa bei den Begegnungen mit bayrischen Eigenarten sogar eine Spur bösartig wirken. Aber genau das macht die Lektüre doch spannend, oder? Es ist kein gemütliches Oktoberfest-Buch zum Dahinschmachten, sondern ein flotte, freche und bissige Popcorn-Bombe.
Kritisch gesehen: Wer extrem empfindlich auf schräge oder derbe Szenen reagiert, kann hier ein wenig überfordert sein – und wer ein nüchternes Kulturportrait erwartet, sollte besser einen Bogen machen. Ab und zu habe ich mir ein bisschen mehr Tiefgang oder eine stärkere erzählerische Linie gewünscht, das hätte den wilden Ritt wahrscheinlich etwas abrunden können.
Fazit: Ein ungezähmtes, energiegeladenes Buch, das genau ins Schwarze trifft, wenn man Lust auf schräge Einblicke und unkompliziert-provokante Unterhaltung hat. Wer Bayerns Exzess aus einer anderen Perspektive kennenlernen will, sollte hier unbedingt reingreifen. Ich vergebe 4 von 5 Sternen – weil der Spaß groß ist, die Ehrlichkeit rau, aber manchmal ein wenig zu sehr übers Ziel geschossen wird.
Klappentext
Nach ihrem Buch über den Opernball legt Stefanie Sargnagel mit einem weiteren Abenteuer nach: Allen Warnungen zum Trotz und in ein Dirndl geschnürt begibt sie sich an einen Ort, der für viele eine Zumutung ist und für andere der Himmel: das Münchner Oktoberfest.
Das bietet viel Anlass zum Nachdenken über die liebenswerten und weniger schmeichelhaften Gemeinsamkeiten von Österreich und Bayern. Vor allem ist es aber eine mitreißende, mitreißend komische Höllenfahrt in ein Paradies des Exzesses, wie es nur in Bayern vorstellbar ist. Es wird nicht getrunken, sondern gesoffen, gefressen und gehurt, gewankt, gekotzt, das Bewusstsein verloren, alles in dem Hochgefühl, dass es genau so sein soll.
Stefanie Sargnagel schaut zu, macht mit, und die Leserin, der Leser kommt aus dem Staunen nicht heraus über der Frage: Was hat sie da erlebt, was hat sie sich ausgedacht?