Wenn dir das hier gefiel …
Ostfriesenangst
Key Facts
Kritik
Kaum schlägt man „Ostfriesenangst“ von Klaus-Peter Wolf auf, fühlt man sich mitten in den rauen Norden versetzt – wo Wind, Wellen und eine gehörige Portion Spannung Hand in Hand gehen. Diesmal entführt uns Wolf in den sechsten Fall der resoluten Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen, die es mit einem rätselhaften Verschwinden während einer Wattwanderung zu tun bekommt. Eine Schulklasse kehrt ohne ihren Lehrer zurück, und schnell wird klar: Hier steckt mehr dahinter als nur eine harmlose Geschichte vom Schulhof.
Ann Kathrin ist wieder genau die charakterstarke Ermittlerin, die man ins Herz schließt. Mit ihrem feinen Gespür für Menschen, gepaart mit einer gehörigen Portion norddeutschem Understatement, führt sie die Leser:innen durch die düsteren Ebbegründe von Norddeich. Ihr Partner Frank Weller ergänzt das Duo dabei mit einer sympathischen Mischung aus Pragmatismus und Herz. Wolf schafft es erneut, echte Menschen mit Ecken und Kanten zu zeichnen, das macht das Miträtseln ungemein lebendig.
Besonders gelungen fand ich den Schreibstil: locker-flüssig, nie zu verkopft, aber auch nicht banal. Die beschwörenden Landschaftsbeschreibungen – Watt, Wind, Meer – versetzen einen direkt an den Strand und schaffen eine packende Atmosphäre, die den Krimi von der Stange abhebt. Herzstück ist natürlich die Frage, wer hier Opfer und wer Täter ist. Die Wendungen sind geschickt eingebaut, und ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich tief eintauchte und miträtselte.
Ein kleiner Wermutstropfen: Für alle Ostfriesenkenner mag es sich fast etwas pingelig anfühlen, aber die kleine geografische Ungenauigkeit mit Wangerooge – die ja eigentlich nicht zu Ostfriesland gehört – schnellt kurz im Kopf hoch. Ansonsten war es das aber auch schon mit meckern, denn an Spannung und Charme mangelt es definitiv nicht.
Wer Lust auf einen Krimi hat, der nicht nur auf der dramatischen Ebene funktioniert, sondern mit viel Lokalkolorit und sympathischen Figuren punktet, ist bei „Ostfriesenangst“ genau richtig. Wer den norddeutschen Flair mag, dazu einen cleveren Plot, der mal nicht klischeeüberladen wirkt, wird seine Freude haben.
Fazit: Ein rundum gelungener Krimi, der Spaß macht, zum Nachdenken anregt und mich prima unterhalten hat – hier darf man gerne mitfiebern. 5 von 5 Sternen!
Klappentext
Der sechste spektakuläre Fall für Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen
Eine Schulklasse hat mit ihrem Lehrer eine Wattwanderung gemacht. Und ist ohne ihn zurückgekommen. Da gibt es zwei Möglichkeiten, denkt sich Ann Kathrin Klaasen. Entweder war er ein verantwortungsloser Mensch, der seine Klasse in große Gefahr gebracht hat, und dabei selbst ums Leben gekommen ist. Oder ein paar teuflische Schüler haben die Situation ausgenutzt, um einen unliebsamen Lehrer loszuwerden… Für Ann Kathrin Klaasen und Frank Weller stellt sich bei ihren Ermittlungen die Frage: Sind die halbtoten Kinder am Strand von Norddeich Täter oder Opfer?