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2 Top Action Krimis: Kommissar Jörgensen und die Scheinheiligen / Commissaire Marquanteur und der Schatten von Noureddine
Key Facts
Kritik
Manchmal ist es genau das, was man braucht: zwei handfeste Krimis, die einen mitten ins Geschehen reißen und dabei trotzdem Raum für Charaktere voller Ecken und Kanten lassen. Alfred Bekker liefert mit „Kommissar Jörgensen und die Scheinheiligen“ sowie „Commissaire Marquanteur und der Schatten von Noureddine“ zwei actiongeladene Geschichten, in denen Moral und Wahrheit nie ganz eindeutig bleiben.
Im ersten Fall stolpert Kommissar Jörgensen durch ein Netz aus Scheinheiligkeit und dunklen Geheimnissen – da schlägt die Atmosphäre der alten Kirchenmauern ebenso mit wie der rauhe Hamburger Charme, der Jörgensen ausmacht. Der zweite Krimi lässt uns mit Commissaire Marquanteur in die Schatten einer anderen Welt eintauchen, wo die Grenze zwischen Gut und Böse geradezu verschwimmt. Beide Ermittler sind keine Superhelden, sondern Menschen mit eigenen Zweifeln, die genau deshalb richtig nahbar wirken.
Was mir besonders gefallen hat, ist der entspannte, aber pointierte Schreibstil von Bekker. Er schafft es, Spannung aufzubauen, ohne den Leser zu überfordern, und das Ganze mit einem Schuss trockenen Humors oder kleinen Alltagsbeobachtungen zu würzen. Es gibt keine ellenlangen Beschreibungen, keine übertriebenen Effekte – einfach handfestes Krimi-Handwerk, das Spaß macht. Zwischendurch fühlt sich die Geschichte fast wie ein Plausch mit einem guten Freund an, der gerade einen spannenden Fall erzählt.
Kleine Schwäche: Manchmal wünschen sich die Handlungen ein bisschen mehr Tempo, gerade im zweiten Krimi verzettelt sich Bekker gelegentlich. Und ein bisschen mehr Tiefgang bei Nebenfiguren könnte nicht schaden, um die Welt noch lebendiger zu machen. Aber das sind eher Nuancen, die dem Lesespaß keinen Abbruch tun.
Für alle, die auf solide, spannende Krimis mit Charakteren setzen, die nicht nur rumschießen, sondern auch nachdenken – hier seid ihr richtig. Nicht das große literarische Meisterwerk, aber ein Buch, das sich angenehm liest und nach mehr verlangt.
4 von 5 Sternen – actionreich, nahbar und mit genug Verve, um Fans von authentischen Ermittlergeschichten gut zu unterhalten.
Klappentext
Die Grenze zwischen heilig und scheinheilig ist manchmal fließend.
»Schön, dass Sie mal wieder bei uns sind, Herr Kriminalhauptkommissar«, sagte der Pastor, nachdem der Gottesdienst vorbei war.
Ich war noch ein bisschen sitzen geblieben.
Niemand nennt in Deutschland jemanden ‘Herr Kriminalhauptkommissar’.
Nicht mehr jedenfalls.
Das ist lange her, dass sowas üblich war.
Man sagt den Namen und Herr oder Frau davor. Aber keinen Rang.
Das hat sich nur bei der Bundeswehr und in der Seefahrt gehalten.
Aber sonst nirgendwo.
Dass der Pastor es trotzdem tat, hatte seinen Grund.
Er hätte auch sagen können: »Herr Jörgensen, schön, dass Sie mal wieder hier sind.« Aber das tat er nicht.
Und so, wie ich ihn kannte, wollte er mir durch seine Ausdrucksweise etwas deutlich machen. Zum Beispiel, dass ich es überwiegend mit der dunklen Seite der irdischen Welt zu tun hatte und es mir vermutlich deshalb schwerfiel, an einen guten Gott zu glauben. Wir hatten uns darüber mal länger unterhalten, der Pastor und ich. Dass ich trotzdem ab und zu in die kalten dicken Mauern der Kirche fand, hatte mit der Atmosphäre zu tun, die hier herrschte. Die mochte ich. Und vielleicht tröstete sie mich sogar ab und zu.
»Ein echter Hamburger geht nicht zur Kirche«, sagte der Pastor und lächelte hintergründig.
»Wer hat das gesagt?«, fragte ich.
»Mein Vater.«
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