Wenn dir das hier gefiel …
Der gute Sohn
Key Facts
Kritik
Manchmal sind es die stillen Momente, die am lautesten schreien – und genau so fühlt sich „Der gute Sohn“ von Lars Menz an. Gleich zu Beginn sitzt man mit der Familie am Frühstückstisch, alles wirkt fast zu perfekt, fast zu ruhig, bis der Schmerz in Form einer Fußfessel brutal dazwischen funkt. Was auf den ersten Blick nach einem Kontrollverlust aussieht, wird im Verlauf der Geschichte zu einem dichten Netz aus Geheimnissen, das einen nicht mehr loslässt.
Im Zentrum steht Liv Beck, eine Polizistin, die auf der sturmumtosten Nordseeinsel nicht nur Ruhe sucht, sondern schrittweise in einen Strudel aus Misstrauen und Verstrickungen gezogen wird. Die Charaktere fühlen sich echt an – besonders Liv, deren Verletzlichkeit und Entschlossenheit gut ausbalanciert sind. Lars Menz macht daraus keinen Kitsch, sondern greift mit seiner klaren, schnörkellosen Sprache das beklemmende Gefühl der Isolation und Bedrohung auf. Man spürt förmlich den Nebel und den Wind auf der Insel, und das trägt enorm zur Atmosphäre bei.
Was mir richtig gefallen hat, ist die Art, wie Menz mit falschen Fährten spielt. Man denkt, man durchschaut das Ganze, und plötzlich landet man irgendwo, wo man nie mit gerechnet hätte. Die Spannung steigt kontinuierlich, ohne sich in endlosen Erklärungen zu verlieren. Klar, für manche wird das vielleicht etwas zu verworren sein, und einige lose Enden schwirren definitiv noch im Kopf herum – eine Spur mehr Klarheit oder ein finales Auflösen hätte ich mir stellenweise gewünscht. Aber genau das macht das Buch auch so faszinierend und lässt einen darüber nachdenken, was wirklich hinter der Fassade steckt.
Wer also Lust auf einen Thriller hat, der statt stumpfer Action mit Atmosphäre, Charaktertiefe und einem subversiven Spiel mit Erwartungen punktet, der liegt hier goldrichtig. „Der gute Sohn“ nimmt dich mit auf eine Reise in die Schattenseiten einer scheinbar heilen Welt. Ein Buch zum Nachdenken, Mitfiebern und sich Nachträumen.
Insgesamt vergebe ich solide 4 von 5 Sternen. Ein spannendes Debüt mit kleinen Schönheitsfehlern, das ich trotzdem nur empfehlen kann. Wer auf Rätsel steht, die sich nicht sofort auflösen, ist hier bestens aufgehoben.
Klappentext
Eine Familie am Frühstückstisch. Die Mutter streicht dem Sohn durchs Haar, der Vater schenkt Kakao nach. Ein perfekter Morgen – bis die Fußfessel anschlägt. Strom quält den Körper des Jungen. Er zuckt zusammen, erduldet den Schmerz. Ein Junge, wie ihn sich seine Eltern wünschen. Ein guter Sohn.
Währenddessen betritt Liv Beck die sturmumtoste Nordseeinsel. Ruhe sucht die Polizistin hier – und Abstand vom letzten Einsatz, der tödlich endete. Doch dann begegnet sie am Strand einem verzweifelten Mann, der fest davon überzeugt ist, dass sein verschwundener Sohn nicht im Meer ertrank. Warum glaubt ihm niemand?
Je tiefer Liv gräbt, desto dichter zieht der Nebel aus Geheimnissen über die Insel. Bald begreift sie: Wer zu viele Fragen stellt, verschwindet vielleicht als Nächstes.
»Fallen Sie bloß nicht auf Lars Menz rein: Kaum glaubt man, den Faden gefunden zu haben, hält man garantiert doch nur ein loses Ende in der Hand - und ist ohne es zu merken, längst Teil eines raffiniert gewebten Netzes geworden. Eine meiner liebsten neuen Thriller-Entdeckungen!« Romy Hausmann