Wenn dir das hier gefiel …
Mimik
Key Facts
Kritik
Als ich das Buch zuklappte, blieb mir kurz das Lachen im Hals stecken — nicht vor Freude, sondern vor dieser Mischung aus Bewunderung und leichtem Unbehagen, die nur ein guter Psychothriller hinterlassen kann. „Mimik“ packt einen, rüttelt an den Wahrheiten über sich selbst und lässt einen lange nach dem letzten Satz nicht los.
Worum geht's? Hannah Herbst ist Deutschlands beste Mimikresonanz‑Expertin: Sie liest in Gesichtszügen, Pupillen, kleinen Zuckungen — kurz: sie sieht das, was andere verbergen. Doch nach einer Operation kämpft sie mit Gedächtnislücken, und ausgerechnet jetzt steht ein Fall an, der alles auf den Kopf stellt: Eine Frau gesteht, ihre Familie ermordet zu haben, ihr Sohn Paul überlebt — und die Täterin entkommt. Hannah hat nur ein kurzes Geständnis‑Video, um die Mutter zu finden und den Jungen zu retten. Das Problem: Auf dem Video scheint Hannah selbst die Täterin zu sein. Mehr sage ich nicht — Spoiler verboten.
Figuren & Stil: Hannah ist eine starke, eigenwillige Protagonistin mit beruflicher Brillanz und tiefen persönlichen Baustellen. Fitzek gibt ihr genug Ecken und Kanten, dass man ihr folgen will, selbst wenn man ihr manchmal misstraut. Die Nebenfiguren sind funktional: einige sehr eindrücklich, andere wirken tatsächlich eher wie Lückenfüller — das entspricht auch den gemischten Leserkommentaren. Sprachlich ist Fitzek unaufgeregt, schnörkellos und extrem tempogeprägt. Kapitel sind kurz, das Erzähltempo hoch; das liest sich wie ein Nervenkitzel in Hochgeschwindigkeit. Fachliche Tiefe gewinnt das Buch durch die Beratung von Dirk Eilert — das Thema Mimik ist dadurch glaubwürdig und interessant verwoben.
Was mir gefallen hat: Fitzek versteht sein Handwerk, wenn es darum geht, Spannung zu zünden. Es gibt Momente, die richtig unter die Haut gehen, und Wendungen, bei denen ich tatsächlich schlucken musste. Die Idee, Wahrnehmung und Selbstvertrauen gegeneinander auszuspielen, ist klug und sorgt für anhaltende Unruhe beim Lesen. Spontaner Gedanke beim Lesen: „Okay, das kann er — atmosphärisch dicht, mit Nadelstichen an der richtigen Stelle.“
Kritik, kurz und ehrlich: Einige Handlungsstränge wirken gehetzt und stellenweise konstruiert — das haben auch einige Rezensent:innen moniert. Manche Figuren bleiben blass, und wer absolute Realitätsnähe sucht, könnte an der einen oder anderen überdrehten Szene zu reißen beginnen. Für mich war das aber kein Dealbreaker; wer jedoch subtilere, langsamere Psychothriller bevorzugt, wird hier nicht glücklich.
Fazit: „Mimik“ ist ein mitreißender, gut konstruierter Psychothriller für alle, die Tempo, harte Fragen an die eigene Wahrnehmung und überraschende Wendungen lieben. Kein hochliterarisches Meisterwerk, dafür ein Fahrstuhl ohne Bremsen — spannend bis zum Schluss. Empfehlung: lesen, wenn Sie Fitzek mögen oder sich für Körpersprache und psychologische Raffinessen interessieren. Nicht ideal, wenn Sie fein dosierte, leise Spannung vorziehen.
Bewertung: 4/5 Sterne
Klappentext
Sebastian Fitzeks herausragender Psychothriller um eine Mimikresonanz-Expertin, die sich in größter Not selbst nicht mehr trauen kann
Ein winziges Zucken im Mundwinkel, die kleinste Veränderung in der Pupille reichen ihr, um das wahre Ich eines Menschen zu "lesen": Hannah Herbst ist Deutschlands erfahrenste Mimikresonanz-Expertin, spezialisiert auf die geheimen Signale des menschlichen Körpers. Als Beraterin der Polizei hat sie schon etliche Gewaltverbrecher überführt.
Doch ausgerechnet als sie nach einer Operation mit den Folgen eines Gedächtnisverlustes zu kämpfen hat, wird sie mit dem schrecklichsten Fall ihrer Karriere konfrontiert: Eine bislang völlig unbescholtene Frau hat gestanden, ihre Familie bestialisch ermordet zu haben. Nur ihr kleiner Sohn Paul hat überlebt. Nach ihrem Geständnis gelingt der Mutter die Flucht aus dem Gefängnis. Ist sie auf der Suche nach ihrem Sohn, um ihre "Todesmission" zu vollenden? Hannah Herbst hat nur das kurze Geständnis-Video, um die Mutter zu überführen und Paul zu retten. Das Problem: Die Mörderin auf dem Video ist Hannah selbst!
Ihr einziger Ausweg führt tief in ihr Innerstes ...
Mit fachlicher Beratung von Dirk Eilert, dem führenden Mimik- und Körpersprache-Experten im deutschsprachigen Raum.