Wenn dir das hier gefiel …
Kommissar Ubben und das Grab am Deich: Ostfrieslandkrimi
Key Facts
Kritik
Manchmal sind es die stillen Küsten, an denen die düstersten Geheimnisse lauern – und genau dort nimmt uns Tom Willhaus mit in sein Ostfriesland, wo Sturmfluten nicht nur das Meer, sondern auch Familiengeschichten durcheinanderwirbeln. „Kommissar Ubben und das Grab am Deich“ lässt dich gleich zu Beginn spüren, wie die Luft an der Nordseeküste zu knistern beginnt: Zwischen den rauen Winden und dem Bestreben, längst Vergangenes zu bewahren, wächst ein Krimi, der unter die Haut geht.
Im Mittelpunkt steht die Familie Eilers, deren vermeintliche Heldengeschichte plötzlich ins Wanken gerät, als beim Bau eines Windrades versteinerte Lügen ans Licht kommen. Hier trifft man auf Insa Eilers, eine starke und doch verletzliche Figur, die sich zwischen Familienehre und wahrer Gerechtigkeit zerrieben sieht. Hauptkommissar Ubben ist kein klassischer Krimi-Held, was ihm eine sympathische Bodenständigkeit verleiht, und die Mischung aus Ermittlergeist und Menschlichkeit macht das Lesen besonders spannend.
Was wirklich begeistert, ist Willhaus‘ klare und schnörkellose Sprache: Er setzt auf Atmosphären, die das raue Leben an der Küste lebendig machen, ohne dabei in Klischees zu verfallen. Man fühlt den kalten Wind, hört die Wellen gegen den Deich schlagen – und die Spannung steigt kontinuierlich. Allerdings hätte ich mir an manchen Stellen gelegentlich mehr Tempo gewünscht; gerade zum Ende hin zieht sich die Handlung etwas, was den Lesefluss ein bisschen ausbremst.
Trotz kleiner Längen überzeugt das Buch durch seine vielschichtigen Charaktere und die düstere, aber niemals überladene Erzählweise. Wer auf der Suche nach einem spannenden, atmosphärisch dichten Ostfrieslandkrimi mit tiefgründigen Figuren und einer starken Prise Familientragödie ist, sollte hier unbedingt reinschnuppern.
Fazit: Ein solides Krimidebüt, das mich trotz kleiner Schwächen gut unterhalten hat und die norddeutsche Stimmung wunderbar einfängt. Ein Buch, das man nicht einfach weglegt, sondern mit Neugier bis zum Schluss begleitet.
4 von 5 Sternen.