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Troja, später Nachmittag
Key Facts
Kritik
Kaum ein Leben bietet so viel Stoff für eine spannende Erzählung wie das von Heinrich Schliemann, und Gregor Sander hat es geschafft, daraus einen Roman zu machen, der einen von der ersten Seite an in den Bann zieht. „Troja, später Nachmittag“ nimmt uns mit auf eine wilde Reise von einem beschaulichen mecklenburgischen Dorf bis zu den sonnenverwöhnten Ruinen Griechenlands – mittendrin ein Mann, der mit Feuereifer nach einem mythologischen Schatz sucht und dabei viel mehr findet: sich selbst.
Im Zentrum steht Schliemann, der von einem schüchternen Träumer zum visionären Archäologen wird. Man spürt förmlich seine Unruhe, seine Leidenschaft und auch seine Zweifel. Besonders berührt hat mich die subtile Beziehung zu Minna, seiner Jugendliebe, die als emotionaler Anker dient, obwohl sie getrennte Wege gehen. Sandler versteht es meisterhaft, diese menschlichen Nuancen inmitten von Abenteuern und historischen Fakten lebendig werden zu lassen. Sein Schreibstil? Locker, zügig und mit genug Witz, um die dröge Geschichtslektion in ein richtiges Pageturner-Erlebnis zu verwandeln.
Natürlich gibt es Momente, in denen die rasante Erzählgeschwindigkeit fast ein bisschen zu viel des Guten ist – da hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Tiefgang gewünscht. Manchmal scheint der Roman fast wie ein Film im Schnellvorlauf, was den Figuren zwar Dynamik, aber nicht immer die nötige Zeit für Entwicklung gibt.
Wer Lust auf einen historischen Roman hat, der auf spannende Weise Fakten und Gefühl verbindet und dabei weder trocken noch überkandidelt wirkt, sollte zu „Troja, später Nachmittag“ greifen. Gregor Sander liefert ein unterhaltsames, emotionales Porträt eines Mannes, dessen Lebensgeschichte zugleich eine Reise in die Entstehung der modernen Archäologie ist.
Fazit: Ein temporeiches, lebensnahes Buch mit Herz und Verstand – ideal für Leser:innen, die Geschichte nicht nur lernen, sondern erleben wollen.
4 von 5 Sternen.
Klappentext
Von Ankershagen in die Welt: Als der junge Heinrich in seinem mecklenburgischen Heimatdorf zum ersten Mal von der "Ilias" hört, ahnt er noch nicht, dass dieses Buch sein Leben entscheidend prägen wird. Doch aus dem Pfarrerssohn, der sich vor den Schlägen des Vaters in Träumereien flüchtet, wird einmal der Weltstar Heinrich Schliemann werden, der Entdecker des mutmaßlichen Troja und Begründer der modernen Archäologie. Als Kaufmann häufig auf Reisen, verschlägt es ihn von Amsterdam über Sankt Petersburg, Sacramento und Panama bis nach Griechenland, wo sich Schliemann auf die fieberhafte Suche nach dem Palast des Odysseus begibt. Halt findet er stets im Austausch mit seiner Kindheitsfreundin und großen Liebe Minna Meincke – Minna, die einen anderen Mann geheiratet hat und zu der trotz vieler Kilometer Entfernung die Nähe nie abreißt.
In rasantem Tempo und voller Witz zeichnet Gregor Sander das bewegte Leben der Ausnahmeerscheinung Heinrich Schliemann nach. Ein opulenter, sinnlicher und spannungsreicher Roman über das Suchen und Finden.