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Man kann auch in die Höhe fallen
Key Facts
Kritik
Manchmal braucht es gerade den Bruch im Leben, um wieder Halt zu finden – und genau diese spürbare Verzweiflung und gleichzeitig zarte Hoffnung zieht sich durch „Man kann auch in die Höhe fallen“. Joachim Meyerhoff nimmt uns mit auf eine Reise, die mitten ins Herz trifft, ohne dabei schwerfällig zu werden.
Im Zentrum steht ein Mann in seinen Fünfzigern, der von Wien nach Berlin zieht, um nach einem Schlaganfall sein Leben neu zu sortieren – doch das Schicksal hat andere Pläne. Die nervenzehrenden Tage der Großstadt, die schwierige künstlerische Arbeit, scheinbar endlose innere Konflikte. Dann der Umzug zum Land, zu seiner alten, selbstbestimmten Mutter, mit der ihn eine tiefe Nähe verbindet. Zwischen Gartenarbeit, Museumsbesuchen und dem Schreiben eines Theaterromans entfaltet sich eine Geschichte über das Loslassen, die Wiederannäherung und vor allem über Liebe in all ihren Facetten.
Meyerhoffs Erzählton ist dabei erfrischend ehrlich und leichtfüßig, aber niemals oberflächlich. Man fühlt den Zorn, die Nostalgie, die Lebenshungrigkeit, und das alles wird mit so viel Humor und Wärme erzählt, dass man sich sofort mit dem Protagonisten identifiziert. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, vor allem die Beziehung zwischen Mutter und Sohn springt immer wieder beeindruckend lebendig und authentisch heraus. Der Schreibstil versteht es, schwere Themen mit einer Leichtigkeit zu transportieren, die beim Lesen mehr wie ein Gespräch unter Freunden erscheint als ein Roman.
Was vielleicht nicht jedem liegt: Die Geschichten und Reflexionen sind oft recht introspektiv und zeichnen sich durch eine gewisse Langsamkeit aus – da muss man sich schon mal Zeit nehmen und geduldig in die Lebenswelten eintauchen. Für alle, die es eher flott mögen, könnte das eine kleine Bremse sein. Aber wer sich darauf einlässt, wird reich belohnt.
Am Ende bleibt ein warmes Gefühl der Hoffnung und das Wissen, dass man, egal wie tief der Fall, auch in der Höhe landen kann. Wer auf authentische, charakterstarke Geschichten steht, die das Leben mit all seinen Ecken und Kanten abbilden, ohne dabei ins Sentimentale abzurutschen, sollte hier unbedingt zugreifen.
Fazit: Ein feinfühliger, witziger und herzlicher Roman über Neuanfänge und Familienbindung, der richtig unter die Haut geht. 5 von 5 Sternen.
Klappentext
Nachdem er in Wien von einem Schlaganfall aus der Bahn geworfen wurde, hofft Joachim Meyerhoff, durch einen Neuanfang in Berlin wieder Fuß zu fassen. Doch alles kommt anders als gedacht. Die neue Stadt zerrt an den Nerven und die künstlerische Arbeit als Schriftsteller und Schauspieler fällt ihm von Tag zu Tag schwerer.
Auf der Geburtstagsfeier seines kleinen Sohnes ereignet sich ein Zwischenfall, der keinen Zweifel daran lässt, dass es so nicht weitergehen kann. Der Erzähler verlässt Berlin und zieht zu seiner Mutter aufs Land, die auf einem herrlichen Grundstück unweit vom Meer ein sehr selbstbestimmtes Leben führt. Mutter und Sohn sind sich immer schon sehr nah gewesen, aber diese gemeinsamen Wochen werden zu einer besonderen Zeit. Der Sohn klinkt sich ein in den Tagesablauf der Mutter, beginnt seinen Theaterroman und andere Geschichten zu schreiben und findet allmählich heraus aus Zorn und Nervosität, die ihn sein ganzes Leben begleitet haben.