Wenn dir das hier gefiel …
Schatten über dem Wald
Key Facts
Kritik
Man taucht sofort in eine Atmosphäre ein, die irgendwie vertraut und doch unheimlich ist – so typisch für die düsteren Wälder Schwedens, in denen sich „Schatten über dem Wald“ abspielt. Gleich zu Beginn zieht die Entdeckung einer Leiche inmitten eines skurrilen Ameisenhaufens den Leser in den Bann. Die Geschichte rund um Olivia Rönning, die als versierte Ermittlerin tief in die Geheimnisse des kleinen Dorfes Slagtjärn eintaucht, ist so spannend wie vielschichtig.
Die Autoren Cilla und Rolf Börjlind schaffen es, den nordischen Krimi mit einer gesunden Portion Lokalkolorit und mystischem Flair zu würzen, ohne dabei in Klischees abzudriften. Olivia ist eine Ermittlerin, bei der man mitfühlt – nicht perfekt, aber zielstrebig und clever, was sie sehr sympathisch macht. Unterstützt wird sie von Tom Stilton und Mette Olsäter, deren persönlichen und beruflichen Dynamiken der Handlung zusätzlichen Drive geben. Das Zusammenspiel der Figuren ist authentisch und locker geschrieben, was das Lesen zum Vergnügen macht.
Besonders gelungen ist die dichte Atmosphäre, die Angst und Misstrauen innerhalb der Dorfgemeinschaft greifbar macht. Die kulturellen Verstrickungen mit der samischen Opferstätte verleihen dem Fall eine spannende Tiefe. Gleichzeitig bleiben die Beschreibungen nie zu langatmig – der Plot hält die Spannung zuverlässig aufrecht und überrascht immer wieder mit kleinen Wendungen.
Kleine Schönheitsfehler? Manchmal hätte ich mir bei den Beschreibungen der Natur und der Dorfidylle ein bisschen mehr Klarheit gewünscht, weil es hin und wieder etwas zu vage bleibt. Auch die Komplexität mancher Ermittlungsstränge wird nicht immer vollständig aufgelöst – das kann für Geduldige durchaus reizvoll sein, dürfte aber nicht jedermanns Sache sein.
Am Ende ist „Schatten über dem Wald“ ein packender, atmosphärischer Krimi, der vor allem Fans von skandinavischer Spannungsliteratur anspricht, die Wert auf authentische Charaktere und einen Hauch Mystik legen. Wer sich gerne in dunkle Wälder entführen lässt und dabei nicht nur rätseln, sondern auch eintauchen möchte, sollte hier unbedingt zugreifen.
4,5 von 5 Sternen – solide Spannung mit Charakter und Tiefgang, die definitiv Lust auf mehr von Börjlind & Börjlind macht.
Klappentext
In einem großen Ameisenhaufen in den schwedischen Wäldern wird eine Leiche entdeckt. Olivia Rönning soll die hiesige Polizei bei den Mordermittlungen unterstützen. Der Tatort liegt nicht weit von einer alten samischen Opferstätte, ausgerechnet dort finden Forensiker deutliche Blutspuren. Angst macht sich in dem nahe gelegenen Dorf Slagtjärn breit. Ist es noch sicher, in der Dämmerung allein spazieren zu gehen? Dank des Zustroms von Städtern und niederländischen Auswanderern erfreut sich der kleine Ort eines lebhaften Miteinanders. Die Akzeptanz von Außenseitern und Exzentrikern ist traditionell hoch, doch jetzt ist der Zusammenhalt der Gemeinschaft bedroht. Je tiefer Olivia in diesen Kosmos eindringt, desto misstrauischer und verschlossener reagieren die Menschen. Um das Geheimnis des Dorfes zu lüften, muss sie schließlich Tom Stilton und Mette Olsäter um Hilfe bitten.