Wenn dir das hier gefiel …
Der Bademeister ohne Himmel
Key Facts
Kritik
Kaum hat man die erste Seite von „Der Bademeister ohne Himmel“ aufgeschlagen, spürt man sofort, wie einem eine ungewöhnliche Freundschaft mitten ins Herz wächst. Petra Pellini schafft es, mit feiner Feder und einem leisen Humor eine Geschichte zu erzählen, die einen noch lange nicht loslässt.
Im Mittelpunkt stehen Linda, ein verzweifeltes Mädchen am Rand des Abgrunds, und Hubert, der alte Bademeister, der mit seiner Demenz kämpft und dessen Welt langsam verblasst. Ihre Begegnungen sind keine rosarote Idylle, sondern echte, rauhe Momente, die von Wärme und Stillstand gleichermaßen erzählen. Linda versucht dabei nicht nur Hubert, sondern auch sich selbst zu retten – und das Ganze fühlt sich unglaublich echt an, ohne kitschig zu werden.
Was mir besonders gefallen hat, ist der wunderbare Balanceakt zwischen Humor und Ernst. Pellinis Schreibstil ist leicht und doch tiefgründig, die Charaktere so lebendig, dass man sie fast anfassen kann. Besonders Hubert mit seinen skurrilen Angewohnheiten bringt immer wieder kleine Schmunzler ins Spiel, ohne die Tragik der Situation zu verwässern. Die polnische Pflegerin Ewa sorgt für einige schräge, fast schon liebenswerte Momente, die das Buch wunderbar auflockern.
Kleiner Wermutstropfen: Manchmal hätte ich mir ein paar ruhigere Szenen gewünscht, die das Tempo bremsen und Raum zum Durchatmen lassen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn die Geschichte zieht einen trotzdem mit voller Kraft hinein.
Wer also Lust auf eine Geschichte hat, die das Erwachsenwerden und das Loslassen auf ungewöhnliche Weise zeigt und dabei nicht nur das Herz, sondern auch den Kopf anspricht, ist hier genau richtig. Ein Buch, das man nicht einfach nur liest, sondern fühlt – und das man so schnell nicht vergessen wird.
4,5 von 5 Sternen.
Klappentext
Linda ist fünfzehn und würde am liebsten vor ein Auto laufen. Doch noch halten zwei Menschen sie davon ab: ihr einziger Freund Kevin, der daran verzweifelt, dass die Welt am Abgrund steht. Und Hubert, sechsundachtzig Jahre alt, ein Bademeister im Ruhestand, der seine Wohnung kaum mehr verlässt, Karotten toastet und auf seine Frau wartet, die vor sieben Jahren verstorben ist. Dreimal wöchentlich verbringt Linda den Nachmittag bei Hubert, um die polnische Pflegerin Ewa zu entlasten, die mit durchaus eigenwilligen Mitteln ihren Beruf ausübt. Feinfühlig und spielerisch begegnet Linda Huberts fortschreitender Demenz und versucht, den alten Bademeister im Leben zu halten. Bis das Schicksal ihre Pläne durchkreuzt …
Petra Pellini erzählt mit Wärme und Humor vom Erwachsenwerden und Vergessen und von einer einzigartigen Freundschaft.