Das Licht, das erlosch
Key Facts
Kritik
Manchmal braucht es genau so ein Buch, das einem die Augen öffnet und gleichzeitig den Kopf fordert – „Das Licht, das erlosch“ von Ivan Krastev und Stephen Holmes ist genau so eines. Es nimmt dich mit auf eine Reise durch die politischen Umwälzungen der letzten drei Jahrzehnte, zeigt, warum das liberale Modell des Westens längst nicht mehr das strahlende Vorbild ist, sondern vielmehr eine Vorlage, die Osteuropa mühsam nachzuahmen versuchte – und dabei oft in eine Identitätskrise schlidderte.
Im Kern geht es um den Zerfall von Demokratien, die Zunahme von Populismus und Nationalismus, und die überraschende Erkenntnis, dass der Westen seinen Glanz verloren hat. Dabei glänzen Krastev und Holmes nicht nur mit Wissen, sondern auch mit einer spürbaren Leidenschaft fürs Erzählen. Das Buch schwirrt vor klugen Beobachtungen, lebhaften Anekdoten und einem Schreibstil, der so klar wie nie durch komplexe politische und gesellschaftliche Konzepte führt. Man fühlt sich nie überfordert, sondern eher, als würde man bei einem souveränen Gesprächspartner sitzen, der einem immer wieder ein „Ach so!“ entlockt.
Was besonders hängen bleibt: Das „Nachahmungsparadigma“ – diese Idee, dass der Osten jahrelang versuchte, den Westen zu kopieren, bevor dieser seinen moralischen Kompass verlor. Das regt zum Nachdenken an und gibt viele der aktuellen Krisen ein nachvollziehbares Gesicht. Wer also auf der Suche nach Antworten ist, warum Demokratien heute bröckeln, findet hier reichlich Denkanstöße.
Klar, wer auf eine narrative Geschichte mit Helden und klassischen Plotwendungen hofft, könnte enttäuscht sein. Das Buch ist eher eine präzise, durchaus pointierte politische Analyse, kein Roman. Und an manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass die Argumente vielleicht noch etwas knackiger formuliert wären – aber das ist Jammern auf hohem Niveau.
Kurz gesagt: Für alle, die sich politisch für unsere Gegenwart interessieren und keine Lust auf seichte Erklärungen haben, ist „Das Licht, das erlosch“ ein echter Volltreffer. Tiefgründig, spannend und mit genügend Biss, um auch nach dem Zuklappen noch lange nachzudenken.
4,5 von 5 Sternen – ein unverzichtbarer Denkanstoß für alle, die verstehen wollen, was hinter dem Zerfall liberaler Demokratien steckt.
Klappentext
»Ein bahnbrechendes Werk über die Politik seit dem Ende des Kalten Kriegs, das uns zwingt, bisherige Überzeugungen infrage zu stellen und die komplexe Dialektik aus Liberalismus und Antiliberalismus neu zu bewerten.« George Soros
»Es ist ein Buch, das einen dazu verführt, fast auf jeder Seite etwas zu unterstreichen und sich Anmerkungen zu machen. Mit dem Nachahmungsparadigma haben die Autoren ein anregendes Instrumentarium gefunden, um die massenpsychologischen Prozesse unserer Gegenwart offenzulegen. Die Fülle an überraschenden Einsichten und Beobachtungen ist beträchtlich, der detaillierte Blick auf Mentalitätsverschiebungen nicht durch die immer gleichen antifaschistischen Großbegriffe und Ismen verstellt.« Die Zeit, Adam Soboczynski
»Ivan Krastev ist einer dieser Philosophen, die auch Geschichtenerzähler sind; seine Pointen, Witze, Anekdoten sind Wegweiser, während er von einem Gedanken zum nächsten wandert…Zusammen mit dem New Yorker Rechtsphilosophen Stephen Holmes hat er gerade ein Buch veröffentlicht mit dem Titel »Das Licht, das erlosch. Eine Abrechnung«. Und was für eine.« Der Spiegel, Lothar Gorris
»Ivan Krastev ist einer der großen europäischen Denker unserer Zeit.« Timothy Snyder
»Krastev zu lesen ist ein Genuss, denn in seiner stilistischen Kunst finden die Liebe zur Literatur, die politische Illusionslosigkeit und die Schönheit des Gedankens zusammen.« Die Zeit, Elisabeth von Thadden
»Stephen Holmes ist einer der brillantesten politischen Philosophen Amerikas.« Tzvetan Todorov