Am Ende des Tages
Key Facts
Kritik
Manchmal fühlt man sich beim Verfolgen von politischen Reden, als würde man ins Blaue hineinraten, was eigentlich gemeint ist. Ole von Beust räumt in „Am Ende des Tages“ mit genau diesem Gefühl gehörig auf – und zwar mit einer Mischung aus scharfer Analyse, eigenem Insiderwissen und einer Prise Humor. Das Buch nimmt die Politiksprache auseinander, als wäre sie ein Code, der entschlüsselt werden will, und genau das macht es so spannend.
Im Kern dreht sich die Handlung natürlich nicht um eine klassische Geschichte, sondern um Sprache – genauer gesagt um das, was Politiker:innen oft sagen, während sie vielleicht etwas ganz anderes meinen. Von Beust, der selbst jahrelang an der politischen Front stand, zeigt, wie aus gut gemeinten Versuchen, volksnah zu klingen, oft nur ein schwer verständliches Wirrwarr wird. Dabei fühlt man sich nie belehrt, sondern vielmehr als hätte man einen verständnisvollen, aber scharfsinnigen Begleiter an der Seite. Ob »Doppelwumms«, »Leuchtturmprojekt« oder das berüchtigte »Wir sind auf einem guten Weg« – plötzlich erkennt man die feinen Nuancen, die hinter diesen Floskeln stecken.
Die Hauptfigur ist hier zweifellos der Autor selbst, dessen Erfahrungsberichte dem Ganzen eine persönliche Note verleihen. Sein Schreibstil ist locker, bodenständig und trotzdem klug – eine Kombination, die das Buch angenehm leicht und unterhaltsam macht, ohne oberflächlich zu wirken. Es ist fast so, als würde man beim gemeinsamen Kaffee einer Person zuhören, die genau weiß, wie der Politikbetrieb tickt, ohne groß drum herum zu reden. Das macht das Lesen schnell und fesselnd.
Einen kleinen Abzug gibt es, weil sich das Thema natürlich nicht endlos spannend ausbreiten lässt und der Ton stellenweise etwas zu entspannt wird, sodass am Ende der eine oder andere kritische Punkt etwas zu kurz kommt. Trotzdem ist das Jammern auf hohem Niveau – denn „Am Ende des Tages“ trifft den Punkt genau.
Wer sich für Politik interessiert und Lust hat, hinter die Worte zu blicken, ohne sich mit Theorie überfrachten zu lassen, findet hier ein solides, humorvolles Handwerkszeug. Das Buch macht definitiv neugierig auf bewussteres Zuhören und Nachdenken – und genau das ist doch schon viel wert.
4 von 5 Sternen. Ein must-read für alle, die Politik endlich mal ohne den üblichen Kauderwelsch verstehen wollen.
Klappentext
Der frühere Bürgermeister von Hamburg und Kommunikationsexperte Ole von Beust geht der Politiksprache auf den Grund und spart dabei auch nicht mit eigenen Erfahrungen. Wort für Wort, Formulierung auf Formulierung wird erklärt, was wirklich gemeint ist. Nicht oberlehrerhaft und verbissen, sondern unterhaltsam erfahren wir, warum es einen »Doppelwumms« gibt, warum so viele »Leuchtturmprojekte« existieren oder was die Formulierung »Wir sind auf einem guten Weg« eigentlich bedeutet.