Wenn dir das hier gefiel …
Das Schwarz an den Händen meines Vaters
Key Facts
Kritik
Manchmal braucht es nur ein paar Seiten, um mitten ins Herz getroffen zu werden – genau das schafft Lena Schätte mit „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“. Dieses Buch fühlt sich an wie ein intensives Gespräch zwischen einer Tochter und der Geschichte ihrer Familie, das lange nachhallt.
Im Mittelpunkt steht Motte, ein Mädchen und später junge Frau, die in einer Umgebung aufwächst, die alles andere als einfach ist. Ihr Vater ist ein widersprüchlicher Charakter: mal liebevoll und voller Energie, mal gebrochen und vom Alkohol gezeichnet. Motte kennt zwei Versionen dieses Mannes – und sie selbst kämpft ebenfalls mit ihrer eigenen Dunkelheit. Die Geschichte erzählt davon, wie es ist, zwischen Fürsorge, Abhängigkeit und dem Versuch, das Leben irgendwie in den Griff zu bekommen, hin- und hergerissen zu sein. Dabei kippt die Handlung glücklicherweise nie ins Klischeehafte oder Bemitleidenswerte, sondern wirkt stets authentisch und direkt.
Die Figuren wirken unglaublich echt – hier wird nicht idealisiert, dafür aber mit viel Empathie beschrieben. Besonders Mottes Stimme hat mich gefesselt, sie ist rau, verletzlich und doch voller Lebenswillen. Der Schreibstil ist klar und eindringlich, ohne dabei das Gewicht der Geschichte zu erdrücken. Lena Schätte versteht es meisterhaft, schwere Themen wie Alkoholismus und Krankheit so zu erzählen, dass man mit offenen Augen und Herz dabei bleibt, ohne sich verloren zu fühlen.
Ganz ehrlich? An manchen Stellen habe ich mir gewünscht, dass es locker-flockiger bleibt, denn die Schwere des Themas schlägt doch spürbar durch. Aber das ist auch gut so, denn dieses Buch soll ja nicht nur unterhalten, sondern auch berühren – und das tut es. Ein kleines Manko könnte sein, dass nicht jede Wendung völlig überraschend kommt, dennoch möchte man Motte und ihrer Familie einfach nur Nähe schenken.
Wer also Lust auf eine Geschichte hat, die ehrlich, emotional und tief menschlich ist, für den ist dieses Buch definitiv eine Empfehlung. Kein Wohlfühlroman, sondern ein Mutmacher, der zeigt, wie Liebe und Bruchstücke von Leben nebeneinander existieren können.
4,5 von 5 Sternen – weil „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ genau das bietet: einen Blick in eine komplizierte Familie, die trotz allem zusammenhält und eine Hauptfigur, die man so schnell nicht vergisst.
Klappentext
Auch Motte trinkt längst mehr, als ihr gut tut. Schon als Kind hat sie beim Schützenfest Kellnerin gespielt und die Reste getrunken, bis ihr warm wurde. Jetzt, als junge Frau, schläft sie manchmal im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Ihr Freund stützt sie, aber der kann meistens selbst nicht mehr richtig stehen. Nur ihr Bruder, der Erzieher geworden ist, schaut jeden Tag nach ihr. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden – vom Vater und vom Alkohol.
»Das Schwarz an den Händen meines Vaters« von Lena Schätte ist ein bewegender Roman über das Aufwachsen in einer Familie, die in den sogenannten einfachen Verhältnissen lebt und die zugleich, wenn es darauf ankommt, zusammenhält. Es ist ein harter, zarter Roman über die Liebe zu einem schwierigen Vater und den Weg ins Leben.
»Die Wucht des sich behutsam entfaltenden Textes trifft unmittelbar.« Aus der Begründung zur Verleihung des W.-G.-Sebald-Preises