Wenn dir das hier gefiel …
Bei euch ist es immer so unheimlich still
Key Facts
Kritik
Manchmal sind es die leisen Geschichten, die einem besonders lange nachklingen – genau so erging es mir mit „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ von Alena Schröder. Dieses Buch nimmt dich mit auf eine Reise durch mindestens drei Jahrzehnte, vom Nachkriegsdeutschland bis zur Wendezeit, und erzählt dabei von einer Familie, in der Schweigen schwer wiegt und doch gelüftet werden muss.
Im Mittelpunkt steht Evelyn Borowski, die als Ärztin ihren Platz in der etwas erstarrten 1950er-Kleinstadt Ildingen sucht, gefangen zwischen Tradition und Selbstverwirklichung. Ihre Tochter Silvia steht Jahrzehnte später vor der Entscheidung, sich ihren eigenen Dämonen zu stellen – oder weiter vor der Vergangenheit wegzufahren. Schröder schafft es, diese zwei Frauen und auch die eigenwillige, aber liebenswerte Betti, Evelyns freche Schwägerin, so lebendig zu zeichnen, dass man beim Lesen ständig denkt: „Ja, genau so fühlen sich solche Beziehungen an, so sehr man sich auch abgrenzen möchte.“
Der Schreibstil ist ein echtes Highlight: Lebendig, atmosphärisch dicht und dennoch auf das Wesentliche fokussiert. Die Rückblenden sind meisterhaft verwoben, da merkt man, warum die Autorin von Kritiker:innen und Leser:innen gleichermaßen gefeiert wird. Oft hat man das Gefühl, mitten in einem spannenden historischen Drama zu sitzen – fast wie „Babylon Berlin“, nur näher bei der Familie. Das hat mich wirklich gepackt, zumal Schröder die komplizierten Gefühle zwischen Mutter und Tochter ohne große Dramen, dafür mit ganz viel Herz und Fingerspitzengefühl erzählt.
Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass die Handlung an manchen Stellen leicht vorhersehbar bleibt und das Tempo gegen Ende etwas nachlässt – das trübt den Lesefluss aber kaum und nimmt den emotionalen Momenten keinen Schimmer an Authentizität. Und ja, der Preis von knapp 20 Euro fürs E-Book ist schon eine Ansage, vor allem wenn man wie ich gerne mehrere Bücher pro Monat verschlingt – aber für Fans sorgfältig erzählter Familiengeschichten mit Tiefgang lohnt sich die Investition definitiv.
Wer also Lust hat auf einen berührenden Roman, der nicht übers Ziel hinausschießt, sondern leise, aber wirkungsvoll von Mut, Verlust und der Kraft des Aufbruchs erzählt, der findet hier genau das Richtige. Für alle, die eine Vorliebe für sensible, historisch eingebettete Figurenporträts haben, ist Alena Schröder eine echte Entdeckung.
4,5 von 5 Sterne – ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.
Klappentext
Ildingen, 1950er Jahre. Evelyn Borowski hat alles, was sie sich je erträumt hat: Ein Eigenheim mit Garten, einen fürsorglichen Mann und das lang erwartete Töchterchen Silvia. Trotzdem ist sie nicht glücklich: Sie vermisst ihren Beruf als Ärztin und fühlt sich fremd und allein in dieser süddeutschen Kleinstadt. Betti, Ihre Freundin und Schwägerin, ist unverheiratet und kümmert sich deshalb um die Eltern. Mit losem Mundwerk und rasantem Fahrstil sorgt sie für reichlich Ärger.
Ein außergewöhnlicher Familienroman, der einen Bogen von der Nachkriegszeit bis zur Wende spannt.
1989, in Berlin liegt Aufbruch in der Luft. Silvia Borowski aber macht einen Schritt zurück. In einem geklauten Polo fährt sie Hals über Kopf Richtung Süden. Neben ihr die erst wenige Wochen alte Tochter Hannah. Was erwartet sie in ihrem Heimatort, aus dem Silvia vor vielen Jahren überstürzt geflohen ist? Ist sie stark genug, sich der Vergangenheit zu stellen?
Eine berührende Mutter-Tochter-Geschichte, die von der Last jahrzehntelangen Schweigens erzählt, und von dem Mut, es zu brechen.
"Auf dem IIldinger Friedhof hinter der gotischen Kirche aus hellem Sandstein ging Silvia die sauber geharkten Kiesreihen ab. Am Familiengrab der Borowskis setzte ihr Herzschlag einen Moment aus, als ihr auffiel, dass ein Stein fehlte. Ein Stein, der eine Frage beantwortet hätte, die sie nie gestellt hatte, weil sie sicher war, die Antwort zu kennen. Es gab keinen Stein für Tante Betti.« Wer Alena Schröder liest, begreift, nicht nur Aufbruch kostet Mut, sondern auch Heimkehr.
Jetzt erzählt die Autorin, was in ihrem gefeierten Bestsellerroman "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" im Dunklen blieb.
»Alena Schröder hat eine dichte, emotionale Geschichte gewoben, genauso spannend wie zum Nachdenken anregend.« Donna»Ein Starker Familienroman, in dem es auch darum geht, wie Frauen aller Generationen mit dem Muttersein hadern.« Freundin»Atmosphärisch dicht, die Rückblenden so mitreißend wie Babylon Berlin.« flow»Hoppla, Alena Schröder ist eine echte Entdeckung.« Denis Scheck, ARD Druckfrisch