Insel der Ratten
Key Facts
Kritik
Kaum hat man das Buch aufgeschlagen, spürt man die beklemmende Atmosphäre sofort: Jo Nesbø entwirft eine Welt, die so nah an unserer Realität ist, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. „Insel der Ratten“ spielt nach einer verheerenden Pandemie, die gesellschaftliches Gefüge zerreißt – eine düstere Vision, die vor Gewalt und Verzweiflung nur so strotzt.
Im Zentrum steht Colin Lowe, ein Mann, der mit seiner Familie auf einer abgesicherten Insel Zuflucht sucht. Doch sicher ist dort nichts, denn sein Sohn Brad hat sich einer brutalen Bande angeschlossen und bringt Chaos zurück aufs Festland. Besonders intensiv ist die Geschichte um Will und seine Tochter Amy, deren Schicksal die Handlung in einen atemlosen Überlebenskampf verwandelt. Die Figuren sind bodenständig und trotzdem so vielschichtig, dass man ständig zwischen Sympathien und Abscheu schwankt – das macht das Lesen richtig spannend.
Nesbøs Schreibstil ist schnörkellos, dabei aber so fesselnd, dass man kaum aufhören kann zu lesen. Er schafft es, mit einfachen Worten ein Klima der Bedrohung aufzubauen, das einen bis zur letzten Seite begleitet. Einige Wendungen wirken zwar ein bisschen vorhersehbar, und an manchen Stellen wünscht man sich ein bisschen mehr Tiefe in der Charakterentwicklung, doch das tut dem Lesefluss keinen Abbruch.
Wer auf Thriller steht, die nicht nur Spannung bieten, sondern auch gesellschaftliche Fragen stellen und zum Nachdenken anregen, sollte hier unbedingt zugreifen. „Insel der Ratten“ ist kein leichter Lesespaß, sondern ein knackiger, relevanter Thriller, der nachhallt – ganz wie „Herr der Fliegen“ oder „Farm der Tiere“ damals.
Insgesamt schicke ich den Roman mit 4 von 5 Sternen in die Welt: Echt, brutal und zum Gruseln nah – genau das Richtige für alle, die Nervenkitzel mit Tiefgang suchen.
Klappentext
Nach einer verheerenden Pandemie ist die Welt nicht wiederzuerkennen: Massenarbeitslosigkeit und Armut haben das demokratische Gleichgewicht gekippt, marodierende Banden beherrschen die Straßen der großen Stadt. Colin Lowe, einer der reichsten Unternehmer des Landes, rettet sich mit seiner Familie auf die Insel der Ratten. Derweil wütet sein Sohn Brad mit seiner Bande auf dem Festland und verschont nicht einmal Colins engsten Freund Will. Als er dessen Tochter Amy bei einem Überfall in seine Gewalt bringt, sinnt Will auf Rache. Sein Feldzug führt ihn auf das Dach eines Hochhauses, Schauplatz eines gnadenlosen Countdowns auf Leben und Tod.
Dieses Buch hat das Potential wie Herr der Fliegen oder Farm der Tiere zu ihrer Zeit.