Wenn dir das hier gefiel …
Lichtspiel
Key Facts
Kritik
Schon nach den ersten Seiten von „Lichtspiel“ hat mich die beklemmende Atmosphäre gepackt, die Kehlmann mit seinem unprätentiösen Stil meisterhaft erzeugt. Die Geschichte um G. W. Pabst, eine Legende des Kinos, die sich zwischen Glanz und Abgrund bewegt, zieht einen sofort in den Strudel von Kunst, Macht und moralischem Zwiespalt – und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger.
Kehlmann erzählt von Pabsts Flucht vor der aufziehenden Barbarei, seinem kurzen Hollywood-Traum, der schnell zum Albtraum wird, und der immer brenzligeren Rückkehr ins nationalsozialistische Österreich. Dabei sind die Figuren kein bisschen überzeichnet, sondern absolut greifbar: ein zutiefst verletzlicher Künstler, der zwischen starrem Prinzipiengehabe und der bitteren Realität der Machtpolitik hin- und hergerissen ist. Großartig auch, wie Kehlmann nicht nur Pabst, sondern das ganze ambiente Umfeld mit seinen Abgründen und Zwängen zeichnet – man fühlt sich fast selbst mitten in diesem undurchsichtigen Kino- und Machtspiel.
Besonders gefallen hat mir, wie leicht und doch präzise Kehlmann schreibt: Er schafft es, ein düsteres Thema mit einem Hauch von Ironie und Witz zu würzen, was dem Roman ein unverwechselbares, lebendiges Flair verleiht. Gleichzeitig bleibt er wunderbar flüssig, sodass man gar nicht merkt, wie komplex die Hintergründe sind.
Einziger kleiner Haken: Manche Passagen könnte man durchaus als etwas zu distanziert empfinden, der emotionale Tiefgang kommt aber gerade dadurch zum Nachdenken ins Rollen – wenn man sich darauf einlässt. Nervenkitzel à la Thriller darf man hier jedenfalls nicht erwarten, eher ein kluger Blick auf ein schwieriges Kapitel der Geschichte.
Kurz gesagt: Wer historisch-literarische Geschichten mag, die mit feinem Gespür für menschliche Zerrissenheit und politische Grauzonen spielen, wird „Lichtspiel“ lieben. Ein kluger, spannender Roman, der einen nicht so schnell loslässt.
4,5 von 5 Sternen – ein echtes Leseerlebnis für alle, die Geschichte nicht nur konsumieren, sondern fühlen wollen.
Klappentext
Daniel Kehlmanns Roman über Kunst und Macht, Schönheit und Barbarei ist ein Triumph. Lichtspiel zeigt, was Literatur vermag: durch Erfindung die Wahrheit hervortreten zu lassen.