Wenn dir das hier gefiel …
Das Ding
Key Facts
Kritik
Manchmal braucht man genau so ein Buch, das einem mitten ins Gewissen und gleichzeitig ins Zwerchfell greift. „Das Ding“ von Philipp Löhle ist genau so ein Stück – oder besser gesagt, ein Theatertext, der sich anfühlt wie ein lebendiges Netzwerk aus kleinen Geschichten, die alle miteinander verwoben sind.
Im Zentrum steht eine schlichte Baumwollfaser, die als stille Beobachterin um den Globus reist und mit überraschend viel Witz und Tiefgang die Verstrickungen unserer globalisierten Welt sichtbar macht. Von nachhaltigem Baumwollanbau in Afrika über ein chinesisches Start-up, die rumänische Schweinezucht bis hin zu einer Ehe in der westlichen Welt – hier trifft das Kleine auf das Große und zeigt, wie eng wir alle miteinander verbunden sind (ob wir wollen oder nicht). Die Figuren sind dabei so unterschiedlich und doch so nachvollziehbar gezeichnet, dass man schnell erkennt: Das ist kein abstraktes Politstück, sondern ein Spiegel unserer eigenen Lebensrealität.
Philipp Löhles Schreibstil ist frisch, klar und schafft es, mit Leichtigkeit und Humor komplexe Themen ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln. Da fliegt einem nicht nur das Fachchinesisch um die Ohren, sondern es wird wirklich unterhaltsam und aufmerksamkeitsstark erzählt. Ein bisschen fand ich allerdings, dass einige Übergänge im Stück stellenweise etwas abrupt waren – was den Lesefluss für meinen Geschmack minimal gebremst hat. Aber hey, das mag auch daran liegen, dass es fürs Theater geschrieben wurde und man das Stück bestimmt mit voller Wirkung auf der Bühne erleben sollte.
Wer also gerne mal auf intelligente Weise unterhalten werden will, ohne sich durch trockene Analysen zu quälen, der ist hier genau richtig. „Das Ding“ macht nicht nur Spaß, sondern regt auch zum Nachdenken an – und das auf eine Art, die man nicht alle Tage begegnet.
Insgesamt gibt’s von mir solide 4 von 5 Sternen für diesen faszinierenden Einblick ins globale Getriebe und die kleine Baumwollfaser, die mehr über uns Menschen erzählt, als wir auf den ersten Blick ahnen.
4/5 Sterne
Klappentext
Es gibt keinen Zufall mehr. Wie durch weltumspannende Interdependenzen – genannt Globalisierung – alles mit allem verknüpft ist, das verdeutlicht Philipp Löhle in seinem Theaterstück auf unterhaltsame Weise. Wenn sich ein Afrikaner nachhaltige Methoden des Baumwollanbaus aufschwatzen lässt, verhilft das zwei jungen Chinesen zu ihrem ersten Start-up-Erfolg. Wenn deren Handel mit Sojabohnen ins Stocken gerät, wirkt sich das auf die rumänische Schweinezucht aus, was wiederum direkte Folgen für die Ehe von Katrin und Thomas hat und einen überraschend internationalen Showdown heraufbeschwört. Und das titelgebende Ding – eine Baumwollfaser – reist derweil einmal um den Erdball und schaut verwundert auf das Treiben der Menschen.