Wenn dir das hier gefiel …
Der dunkle Thron
Key Facts
Kritik
Kaum hatte ich die ersten Seiten von „Der dunkle Thron“ aufgeschlagen, fühlte ich mich direkt mittendrin in den Wirren des Londons von 1529 – eine Zeit voller Machtspiele, Intrigen und unbarmherziger Politik. Nick of Waringham, gerade mal vierzehn Jahre alt, steht vor der Herausforderung, eine verwüstete Baronie zu übernehmen, während sich England unter König Henry VIII radikal verändert. Die religiösen Spannungen, die Reformation und der erbitterte Konflikt zwischen Vater und Tochter bilden das perfekte Spannungsfeld, in dem die Geschichte pulsiert.
Nick ist dabei weit mehr als nur ein verknöcherter Historienheld: Er ist ein Pferdeexperte, wissbegierig, großgewachsen und manchmal ein wenig trotzig – seine Ecken und Kanten machen ihn authentisch. Mir hat gefallen, wie Gablé ihn als jungen Mann skizziert, der in einer feindlichen Welt seinen Platz sucht, ohne zu glänzen oder perfekt zu sein. Der Schreibstil ist typisch Gablé: liebevoll recherchiert, detailreich und bildhaft, dabei aber nie trocken oder langweilig. Man merkt, dass hier jemand mit Herzblut bei der Sache ist, der seine Figuren lebendig werden lässt und historische Fakten mit einer Prise Spannung würzt.
Wenn ich ehrlich bin, hätte es an manchen Stellen gerne etwas rascher vorangehen dürfen. Manchmal zieht sich die Handlung etwas, und der Fokus auf Nicks innere Zwiespälte wirkt nicht immer fesselnd genug, besonders wenn man die grandiosen Vorgänger kennt. Auch Henry VIII wird mit einer spürbaren Abneigung dargestellt, was mir persönlich etwas zu einseitig war – da hätte ich mir mehr Nuancen gewünscht. Trotzdem schafft es Gablé, das Kopfkino zum Laufen zu bringen, ohne zu überfordern.
Für alle, die historische Romane mit Tiefgang, starken Charakteren und einer dichten Atmosphäre lieben, ist „Der dunkle Thron“ definitiv einen Blick wert – vor allem, wenn man sich für die Tudor-Zeit interessiert und Lust auf eine Mischung aus Intrigen, Familienzwist und politischen Umbrüchen hat. Wer allerdings spannende, rasant erzählte Action erwartet, sollte seine Erwartungen etwas drosseln.
Abschließend gibt es von mir solide 4 von 5 Sternen – ein großartiger Einstieg in die Renaissance, der zwar nicht überall glänzt, aber dennoch ein starker und lohnenswerter Roman ist.