So etwas wie Leben
Key Facts
Kritik
„So etwas wie Leben“ – Wenn Gefühle plötzlich ausbrechen und man neu lernen muss, zu fühlen
Kaum habe ich Carolin Schairers „So etwas wie Leben“ zugeklappt, spürte ich dieses warme, leicht unruhige Gefühl, das gute Bücher hinterlassen – diese Mischung aus Herzklopfen und Nachdenklichkeit. Belindas Geschichte hat mich mitgenommen, ohne großen Trara, aber genau mit der richtigen Portion Tiefe.
Worum geht’s? Belinda ist die Leitfigur, die Herzambulanz in einem bayerischen Krankenhaus schmeißt – tough, bestimmt, ein echtes Arbeitstier. Und dann da ist noch ihr treuer Kater Mickey, ihr einziger echter Vertrauter. In ihrem Privatleben? Eher Chaos und Einsamkeit. Als sie die quirlige Pharmareferentin Julie trifft, beschließt Belinda, das „Normal-Sein“ von ihr zu lernen. Nur ahnt sie nicht, dass Gefühle keine Checkliste sind, die man einfach abhaken kann. Liebe, Sehnsucht und alte Schmerzen platzen ganz unverhofft herein und verändern alles.
Was mich wirklich gepackt hat, ist Schairers Art zu erzählen: Klar, charmant und unaufgeregt – aber niemals beliebig. Die Figuren sind keine Seifenblasen, sondern greifbar, mit Ecken und Kanten. Belindas raue Schale und ihre Verletzlichkeit, ihre kleinen Annäherungen an Julie, sind so authentisch beschrieben, dass man fast dabei sein möchte, wenn sie Stolpersteine umschiffen. Der Stil ist locker, ohne flapsig zu wirken, was das Lesen richtig angenehm macht.
Klar, ein bisschen mehr Tempo hätte ich mir an manchen Stellen gewünscht – es zieht sich gelegentlich, besonders wenn Belinda sich in ihren Grübeleien verliert. Trotzdem stört das nicht den Lesefluss, eher lädt es dazu ein, in die Gedankenwelt einzutauchen. Und hey, das muss auch mal sein.
Fazit: Wer Lust auf eine moderne, sensible Geschichte über unerwartete Liebe und die Chance auf einen Neuanfang hat, liegt bei „So etwas wie Leben“ goldrichtig. Kein Drama-Meisterwerk, aber ein Buch, das das Herz berührt und einem die kleinen Schönheiten des Lebens zeigt.
Bewertung: 4 von 5 Sternen – ein warmherziger Roman, der sich locker-flockig liest und ganz nebenbei mit viel Gefühl punktet. Ideal für alle, die gern in echte Geschichten eintauchen, ohne gleich in Kitsch abzurutschen.
Klappentext
Ein berührender Roman über Liebe, die ungeplant entsteht, über Vergangenes, das nachwirkt – und über die Möglichkeit, noch einmal neu anzufangen.