Wenn dir das hier gefiel …
Himmelhorn
Key Facts
Kritik
Manchmal braucht es einfach einen Berg, der mehr ist als nur ein Kulisse-Hintergrund – und genau das liefert „Himmelhorn“ in beeindruckender Weise. Volker Klüpfel und Michael Kobr entführen uns mit ihrem Kult-Kommissar Kluftinger in die schroffen, manchmal unbarmherzigen Allgäuer Alpen, wo Spannung, Humor und eine ordentliche Prise Lokalcharme aufeinandertreffen.
Im neunten Fall wird Klufti von dem unerschütterlichen Gesundheitsfreak Langhammer aufs E-Bike gezwungen und ab in die entlegenen Alpentäler geschickt. Dort stoßen sie auf einen mysteriösen Todesfall, bei dem ein Dokumentarfilmer und zwei Bergführer ihr Leben lassen mussten – und das alles vor der Kulisse des berüchtigten Himmelhorns, dessen Besteigung alles andere als ungefährlich ist. Die Handlung schlägt eine schöne Balance zwischen Krimi und Alltagskomik, besonders durch die teils ruppigen, wortkargen Einheimischen, die mit ihrer Art fast schon eine eigene Hauptrolle bekommen. Kluftingers sarkastische Kommentare und sein leicht genervter Optimismus machen das Lesen angenehm locker.
Der Schreibstil der beiden Autoren besticht vor allem durch seine Bodenständigkeit und den typisch bayrischen Humor, der nie zu aufdringlich wirkt. Die Dialoge schaffen es, mal zum Schmunzeln, mal zum Nachdenken anzuregen, auch wenn mir persönlich die erste Hälfte des Buchs ein bisschen schleppend vorkam. Einige Passagen ziehen sich, besonders wenn es um die Einführung der Figuren und die geografischen Details geht – ja, ich will den Bergraum fühlen, aber bitte ohne dabei in endlose Gespräche abzudriften. Doch sobald die Ermittlungen an Fahrt aufnehmen, gewinnt die Story deutlich an Spannung und Tempo.
Wer sich an den Figuren aus den vorherigen Bänden erfreut hat oder Krimis liebt, die regional verankert sind und mit viel Herz erzählt werden, ist hier bestens aufgehoben. „Himmelhorn“ ist kein Raketenstart, aber ein solider, gut erzählter Krimi, bei dem man auch mal über den Alltag und den gemütlichen Allgäuer Dialekt schmunzeln kann.
Kurz gesagt: Wer auf bodenständige Krimis mit Stimmung, Humor und einer gut gezeichneten Alpenwelt steht, kann hier bedenkenlos zugreifen. Für alle, die ständig Hochspannung im Minutentakt brauchen, ist „Himmelhorn“ eher ein gemütlicher Sonntagnachmittag am Kamin. Von mir gibt’s solide 4 von 5 Sternen.