Wenn dir das hier gefiel …
Ostfriesenkiller
Key Facts
Kritik
Manchmal packt einen ein Buch, weil es einen sofort mitten ins Geschehen katapultiert – „Ostfriesenkiller“ will genau das schaffen, und ja, es gelingt zumindest kurzzeitig. In einem verschlafenen ostfriesischen Städtchen geschieht das Unfassbare: Mitglieder des Vereins ›Regenbogen‹ werden nacheinander auf grausame Weise ermordet. Für Kommissarin Ann Kathrin Klaasen wird der Fall mehr als nur ein Job – hier prallen menschliche Abgründe und ein scheinbar harmloses Dorfleben brutal aufeinander.
Klaus-Peter Wolf macht es seinen Leser:innen leicht, mitten im düsteren Puzzle aus Angst, Hass und Geheimnissen mitzudenken. Seine Figuren sind nicht einfach nur Klischees, sondern authentisch genug, um mitzufiebern – zumindest größtenteils. Ann Kathrin zeigt gerade in bedrückenden Momenten eine Spur Menschlichkeit, die das Geschehen trägt. Der Schreibstil liest sich flott; man kommt ohne viel Schnickschnack voran, was den Plot aber auch etwas vorhersehbar macht. Genau hier liegen für mich die größten Stolpersteine: Der Täter kommt zu früh ans Licht, Spannung verpufft gegen Ende etwas und einige Wendungen wirken einfach zu konstruiert.
Ich verstehe den Reiz, den dieses Buch für Krimifans mit Hang zu norddeutschem Flair hat – die Atmosphäre trifft den Ton, die Kulisse wirkt lebendig. Allerdings sollten alle, die es gern überraschend mögen, vorsichtig sein, denn hier gibt es nicht viele Aha-Momente. Und das teilweise holperige Tempo hat bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Die Kritik von Leser:innen wie „so schlecht wie nie“ finde ich überzogen, doch leichte Enttäuschung wegen des erwartbaren Plots kann ich nachvollziehen.
Wer Lust auf einen soliden Regionalkrimi hat, der ohne große Überraschungen daherkommt und mit sympathischer Ermittlerin punktet, kann hier zugreifen. Fans von tiefgründigen, ausgefeilten Thrillern sollten eher weiterblättern. Zumindest die Atmosphäre und der ostfriesische Charme machen das Lesen angenehm.
Am Ende gebe ich „Ostfriesenkiller“ 2,5 von 5 Sternen – okay für zwischendurch, aber kein Must-Read.