Wenn dir das hier gefiel …
Melville
Key Facts
Kritik
Kann ein Vampirroman dich gleichzeitig kalt erwärmen und innerlich zum Brodeln bringen? „Melville“ von Natalie Elter schafft genau diesen Spagat – schonungslos, düster und mit einer ganz eigenen, seelentiefen Wucht.
Die Geschichte dreht sich um Melville, einen Mann, dessen Leben und Karriere komplett anders verlaufen sind, als er es sich vorgestellt hat. Statt einer glamourösen Zukunft gesegnet mit Macht, Verrat und Intrigen, taumelt er durch eine Welt, die so finster ist wie seine Existenz als Vampir selbst. Elter nimmt uns mit auf eine Reise, die nicht nur äußere Gefahren, sondern vor allem innere Abgründe beleuchtet. Die Figuren sind nicht nur Figuren, sie sind gebrochene Wesen mit Ecken und Kanten, die man nur allzu gut verstehen kann – auch wenn man kein Blut saugen kann oder will.
Der Schreibstil ist überraschend direkt und unverblümt, manchmal hart, aber immer atmosphärisch dicht. Man hat das Gefühl, direkt in Melvilles Kopf zu schauen – und das ist gleichzeitig faszinierend und beklemmend. Keine Schnörkel, keine falsche Romantik, sondern ein ehrliches, rohes Erzählen, das beim Lesen nicht einfach nur unterhält, sondern auch fordert.
Kritikpunkt? Ja, manchmal sind die Beschreibungen so intensiv, dass man fast eine kleine Pause braucht – nicht jeder mag das. Außerdem fühlt sich die Atmosphäre manchmal etwas hermetisch an, wer also auf leichte Vampire schielt, der ist hier falsch. Aber hey, genau das macht „Melville“ ja auch stark: diesen erwachsenen, unverfälschten Blick auf ein Wesen, das zwischen Schatten und Licht gefangen ist.
Wer also Lust auf einen Vampirroman hat, der nicht glitzert, sondern beißt und nachklingt, wird hier definitiv fündig. Ein düsterer Schrägeweg durch menschliche und übernatürliche Verstrickungen – nichts für Zartbesaitete, aber für alle, die es gerne mal anders und tiefgründig mögen.
4 von 5 Sterne – ein schönes Stück Literatur für Vampire und Nicht-Vampire, die mutig genug sind, sich auf ein bisschen Schatten einzulassen.