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Wenn der Sturm ruht
Key Facts
Kritik
Kaum hat man „Wenn der Sturm ruht“ aufgeschlagen, spürt man sofort die Spannung, die unter der Oberfläche brodelt – und das am malerischen Gardasee, der diesmal düsterer nicht sein könnte. Lenz Koppelstätter nimmt uns mit auf eine Reise, die weit über eine einfache Mordermittlung hinausgeht: Ein unbekannter Mann wird erschossen am Set einer frisch gegründeten Lokalzeitung aufgefunden, seine Spur führt direkt in die prachtvolle Villa Feltrinelli und in die abgründige Geschichte Italiens während des Kalten Krieges. Klingt nach einem klassischen Krimi? Ja, aber mit so viel Herzblut und politischer Tiefgründigkeit, dass man schnell süchtig wird.
Im Mittelpunkt stehen Gianna Pitti und ihr Onkel Francesco, deren Nase für Geheimnisse und Journalismus einfach unschlagbar ist. Besonders Gianna ist eine Figur, mit der man sich gut identifizieren kann: klug, mutig und eben nicht der typische Ermittler-Typ. Und dann wäre da noch Elvira Sondrini, die als Herausgeberin nicht nur beruflich, sondern auch persönlich ordentlich unter Verdacht gerät. Koppelstätters Charakterzeichnung wirkt dabei nie konstruiert, sondern lebendig und echt – ein klarer Pluspunkt.
Der Schreibstil? Locker, schnörkellos und doch gehaltvoll. Man fliegt nur so durch die Seiten und genießt die Mischung aus spannungsgeladenen Szenen und überraschend viel Hintergrundwissen, das nie belehrend, sondern immer spannend verpackt ist. Ja, manchmal hätte ich mir etwas weniger Detailtiefe in der historischen Aufarbeitung gewünscht – an manchen Stellen nahm es den Rhythmus raus, aber das ist meckern auf hohem Niveau.
Für Leser, die Lust auf einen Krimi haben, der nicht nur rätselt, sondern auch zum Nachdenken anregt und mit einem ausgezeichneten Gespür für Atmosphäre und Charaktere punktet, ist „Wenn der Sturm ruht“ definitiv ein Gewinn. Gardaseeluft mit ordentlich Grusel und Geschichte – was will man mehr?
Kurz und knapp: Ein spannender, intelligenter Krimi mit Tiefgang, der sich lohnt – 4 von 5 Sternen. Wer Gardasee-Krimis mag und neugierig auf Italiens dunkle Vergangenheit ist, sollte hier unbedingt reinschnuppern.
Klappentext
Im brandneuen Band der erfolgreichen Gardasee-Krimireihe steht die Familie Pitti vor einem scheinbar unlösbaren Rätsel, das in die pompöse Villa Feltrinelli und tief in die dunkle Vergangenheit Italiens führt.
In der Redaktion der soeben neu aufgestellten Seezeitung Messaggero del Garda wird die Leiche eines unbekannten Mannes gefunden. Erschossen. Es stellt sich heraus: Der Unbekannte war Gast im besten Haus am Westufer in Gargnano: der Villa Feltrinelli. Er recherchierte rund um den mysteriösen Tod des ehemaligen Besitzers und legendären Verlegers Giangiacomo Feltrinelli vor über fünfzig Jahren.
Die Fährten führen vom Nobelpreisträger Boris Pasternak zum kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro und in die Zeit des Links- und Rechtsterrorismus im Italien während des Kalten Krieges. Gianna Pitti und ihr Onkel Francesco verschaffen sich inkognito Zutritt zur Villa.
Indes gerät Herausgeberin Elvira Sondrini selbst in Verdacht, etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Was verheimlicht sie den anderen?