Wenn dir das hier gefiel …
Achtsam morden am Rande der Welt
Key Facts
Kritik
Manchmal braucht man einfach eine Geschichte, die einem zeigt, dass Selbstfindung nicht immer nur leise Meditation und Seelenfrieden bedeutet – und genau das liefert Karsten Dusse mit „Achtsam morden am Rande der Welt“. Björn Diemel steckt mitten in seiner Midlifecrisis, doch anstatt in tiefen Gesprächen mit dem Therapeuten zu versinken, macht er sich auf den Weg zum Jakobsweg. Was als spirituelle Pilgerreise geplant ist, verwandelt sich schnell in einen ziemlich mörderischen Überlebenskampf. Ein unbekannter Attentäter nimmt ihn ins Visier, und plötzlich gewinnt das Thema Achtsamkeit eine ganz neue, gefährliche Schärfe.
Björn ist kein typischer Protagonist, der perfekt und erleuchtet daherkommt. Er wirkt nahbar, manchmal etwas überfordert, aber genau das macht ihn sympathisch. Man fiebert mit ihm mit, wenn er mal mehr oder weniger unbeholfen versucht, seinen Weg zu finden – sowohl auf dem Jakobsweg als auch im Leben. Der lockere und humorvolle Schreibstil von Dusse bringt die ernsten Themen auf eine fabelhafte Weise auf den Punkt, ohne sich selbst dabei zu ernst zu nehmen. Zwischen Spannung, schwarzen Humor und sogar nützlichen Denkanstößen fühlt sich das Buch eher wie ein Plausch unter Freunden an, die über das Leben philosophieren – nur mit einer mörderischen Prise Nervenkitzel.
Was mir besonders gefallen hat, war dieses ungewöhnliche Zusammenspiel aus Ratgeber-Elementen und Thriller-Plot. Ja, es gibt tatsächlich Passagen, in denen der Jakobsweg fast wie ein Reiseführer wirkt – und das kann stellenweise etwas sehr detailliert werden. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Tempo gewünscht, denn an manchen Stellen zieht sich das Ganze etwas. Trotzdem sorgt gerade diese Mischung dafür, dass „Achtsam morden am Rande der Welt“ kein 08/15-Krimi ist, sondern eine charmante, kurzweilige Lektüre mit Tiefgang.
Kleine technische Ungenauigkeiten, wie die falsche Beschreibung eines iPhone-Modells, sind mir auch aufgefallen – aber mal ehrlich, das stört nur die ganz peniblen Tech-Nerds unter uns und schmälert den Spaß nicht wirklich.
Wer Lust auf einen unkonventionellen Thriller hat, der nachdenklich macht und gleichzeitig bestens unterhält, ist hier genau richtig. Ein Buch, das mit ganz viel Herz, Witz und einer Prise Mord fasziniert und deshalb definitiv eine Empfehlung wert ist.
4 von 5 Sternen – weil es ein bisschen mehr Tempo vertragen könnte, aber insgesamt ein echter Genuss für alle, die Humor, Spannung und Lebensweisheiten gleichermaßen schätzen.
Klappentext
Um der Midlifecrisis zu entgehen, begibt sich Björn Diemel auf Anraten seines Therapeuten auf Pilgerreise. Schnell stellt sich als Erkenntnis auf dem Jakobsweg heraus, dass Björns Leben die Mitte bereits längst überschritten haben könnte: Ein unbekannter Mitpilger versucht, ihn zu töten.
Während bei den scheiternden Anschlägen auf ihn ein Pilger nach dem anderen seinen Lebensweg verlässt, versucht Björn ganz achtsam, sich seiner Haut zu wehren. Seine Pilger-Fragen nach Leben, Tod und Erfüllung bekommen plötzlich eine sehr praxisnahe Relevanz.