Wenn dir das hier gefiel …
Der Apfelbaum
Key Facts
Kritik
Man taucht direkt ein in eine Geschichte, die unter die Haut geht – ohne dass Christian Berkel je mit der Schwere der Ereignisse erdrückt. „Der Apfelbaum“ erzählt von einer Liebe, die im düsteren Berlin der 1930er Jahre beginnt, aber weit darüber hinauswächst, getragen von Mut, Verlust und der Suche nach Heimat.
Die Handlung folgt Sala und Otto, zwei ganz unterschiedlichen Menschen, deren Leben durch den Wirbel einer grausamen Zeit untrennbar miteinander verbunden sind. Sala, aus einer jüdischen Intellektuellenfamilie, und Otto, Sohn aus der Arbeiterklasse, erleben Flucht, Trennung und die brutalen Prüfungen des Krieges – trotzdem bleibt ihre Geschichte durchweg nahbar und menschlich, eben keine bloße Historienkunde. Besonders beeindruckend ist, wie Berkel mit einem fast schon filmischen Gespür für Details den Alltag, die Ängste und Hoffnungen seiner Figuren lebendig werden lässt.
Was mich wirklich gepackt hat, ist der lebendige, flüssige Stil – da liest man nicht nur, man fühlt mit, man hört förmlich die Stimmen, die in den Zeilen mitschwingen. Und genau das macht das Buch auch für Leser:innen attraktiv, die sonst historische Romane eher meiden. Ein bisschen Geduld braucht man, wenn sich die Handlung über viele Orte und Jahre spannt, aber gerade dieser große Bogen macht es zu einer echten Lese-Reise.
Kleiner Wermutstropfen: Manche Passagen ziehen sich stellenweise etwas, was der emotionale Kern aber locker wieder auffängt. Wer also klare Spannung erwartet, könnte zwischendurch mal durchhängen. Aber gerade das macht für mich den realistischen Eindruck aus – nichts ist glattgebügelt, alles fühlt sich echt an.
Unterm Strich ist „Der Apfelbaum“ ein berührender Familienroman, der Geschichte lebendig macht und dabei nie zu schwer wirkt. Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst, weil es vom Menschsein erzählt – in Zeiten, die man nicht vergessen darf. Klare Leseempfehlung für alle, die sich auf eine emotionale Zeitreise mit warmem Herz einlassen wollen.
⭐⭐⭐⭐⭐
Klappentext
Für den Roman seiner Familie hat der Schauspieler Christian Berkel seinen Wurzeln nachgespürt. Er hat Archive besucht, Briefwechsel gelesen und Reisen unternommen. Entstanden ist ein großer Familienroman vor dem Hintergrund eines ganzen Jahrhunderts deutscher Geschichte, die Erzählung einer ungewöhnlichen Liebe.
Berlin 1932: Sala und Otto sind dreizehn und siebzehn Jahre alt, als sie sich ineinander verlieben. Er stammt aus der Arbeiterklasse, sie aus einer intellektuellen jüdischen Familie. 1938 muss Sala ihre deutsche Heimat verlassen, kommt bei ihrer jüdischen Tante in Paris unter, bis die Deutschen in Frankreich einmarschieren. Während Otto als Sanitätsarzt mit der Wehrmacht in den Krieg zieht, wird Sala bei einem Fluchtversuch verraten und in einem Lager in den Pyrenäen interniert. Dort stirbt man schnell an Hunger oder Seuchen, wer bis 1943 überlebt, wird nach Auschwitz deportiert. Sala hat Glück, sie wird in einen Zug nach Leipzig gesetzt und taucht unter.
Kurz vor Kriegsende gerät Otto in russische Gefangenschaft, aus der er 1950 in das zerstörte Berlin zurückkehrt. Auch für Sala beginnt mit dem Frieden eine Odyssee, die sie bis nach Buenos Aires führt. Dort versucht sie, sich ein neues Leben aufzubauen, scheitert und kehrt
zurück. Zehn Jahre lang haben sie einander nicht gesehen. Aber als Sala Ottos Namen im Telefonbuch sieht, weiß sie, dass sie ihn nie vergessen hat.
Mit großer Eleganz erzählt Christian Berkel den spannungsreichen Roman seiner Familie. Er führt über drei Generationen von Ascona, Berlin, Paris, Gurs und Moskau bis nach Buenos Aires. Am Ende steht die Geschichte zweier Liebender, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch ihr Leben lang nicht voneinander lassen.