Der Engelsbaum
Key Facts
Kritik
Manchmal braucht eine Geschichte einfach nur ein gutes Gefühl, um einen auf den ersten Seiten abzuholen – und „Der Engelsbaum“ hat mich genau da erwischt. Die Reise zurück in die Vergangenheit, zu Greta Marchmont, die nach dreißig Jahren und einer Amnesie in ihr altes Herrenhaus in Wales zurückkehrt, fühlt sich sofort irgendwie vertraut an. Was steckt hinter dem verlorenen Teil ihres Lebens? Warum liegt ihr eigener Sohn begraben im Wald? Fragen, die das Buch behutsam, aber spannend entfaltet, ohne gleich alles preiszugeben.
Greta als Hauptfigur ist eine starke, zugleich verletzliche Frau, der man gerne folgt. Lucinda Rileys Schreibstil ist so angenehm leicht, dass man zwischendurch richtig vergessen kann, wie dick der Schinken eigentlich ist. Ihre Sprache nimmt einen mit, ohne zu beschweren – ideal für alle, die auf bewegende Familiendramen mit einem Hauch Mystik und ein bisschen Geschichte stehen. Was ich besonders geschätzt habe, war die Balance zwischen emotionaler Tiefe und entspannter Unterhaltung. Klar, manchmal zieht sich das Tempo etwas, und an manchen Stellen hat man das Gefühl, die Autorin lässt sich ein bisschen zu viel Zeit. Aber das stört nicht so sehr, wenn man sich auf die Atmosphäre einlässt.
Was allerdings fehlt, zumindest für mich, ist der kleine Wow-Moment, der einen richtig umhaut. Für Fans von Lucinda Riley ist das Buch sicher ein Genuss, wer aber auf ein Feuerwerk an Action oder überraschenden Wendungen hofft, könnte etwas enttäuscht sein. Trotzdem liefert „Der Engelsbaum“ mit seiner warmherzigen Geschichte genügend Stoff zum Nachdenken und Herzklopfen.
Kurz gesagt: Wer Lust auf ein ruhiges, berührendes Familiendrama hat und sich gern auf die Suche nach vergessenen Geheimnissen macht, ist hier genau richtig. Für alle, die eine schnelle, mitreißende Story suchen, ist es vielleicht nicht das perfekte Match. Ich vergebe 4 von 5 Sternen – eine echte Empfehlung für entspannte Lesestunden mit dem gewissen emotionalen Kick.