Wenn dir das hier gefiel …
Der andere Arthur
Key Facts
Kritik
Manchmal reicht ein einziger Blick auf das Innenleben zweier Menschen, um das eigene Herz zu berühren – genau das gelingt „Der andere Arthur“ auf starke, ganz unverstellte Weise. Arthur Opp, der jahrzehntelang zuhause gefangen ist, wirkt zunächst wie eine Figur aus einer anderen Welt: mit 250 Kilo Gewicht und einer bleiernen Einsamkeit, die sich durch jeden Raum zieht. Auf der anderen Seite steht Kel, jung, kämpferisch, mit Träumen, die größer sind als seine Umstände. Dass diese beiden sich aufeinander zubewegen, macht schon beim Lesen neugierig – und mehr braucht die Geschichte eigentlich nicht, um sofort zu fesseln.
Liz Moore und Cornelius Hartz erzählen dabei so wunderbar unprätentiös und doch tiefgründig, dass man sich mitten drin fühlt – in Arthurs engen vier Wänden und Kels hektischem Alltag. Die Figuren sind keine Superhelden, sondern echte Menschen mit Macken, Angst, Zorn und Mut. Arthur zum Beispiel entwickelt sich Stück für Stück vom gebrochenen Ex-Professor zu einem Herzstück, das wieder nach Luft ringt. Der Schreibstil ist handlich, klar und mit subtilen humorvollen Momenten, die das schwere Thema nie erdrücken. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Autoren wirklich wissen, wie es sich anfühlt, am Rand zu stehen.
Ein kleiner Wermutstropfen: An manchen Stellen hätte ich mir ein wenig weniger Erzählung und mehr Emotion gewünscht. Einige Passagen ziehen sich für meinen Geschmack etwas, und die wachsende Beziehung zwischen Arthur und Kel hätte an manchen Stellen noch intensiver ausgearbeitet werden können. Aber das sind nur feine Nuancen in einem sonst sehr stimmigen Buch.
Wer also Lust auf eine bewegende Geschichte hat, die mit ganz leisen Tönen zeigt, wie Mut und Menschlichkeit Brücken schlagen können, ist hier genau richtig. „Der andere Arthur“ ist kein schnelles Wohlfühlbuch, sondern ein leises, ehrliches Zwischen-den-Zeilen-Wunder, das lange nachklingt.
4 von 5 Sternen – weil es authentisch, nahbar und unvergesslich ist.