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Die Schnabels
Key Facts
Kritik
Wer hätte gedacht, dass eine Familie mit 17 Geschwistern so viel Geschichte in sich tragen kann? Katrin Hörnlein schafft mit „Die Schnabels“ nicht nur ein beeindruckendes Porträt einer außergewöhnlichen Großfamilie, sondern auch einen lebendigen Zeitstrahl durch die Jahrzehnte der Bundesrepublik – von den 1950ern bis weit nach dem Mauerfall.
Im Mittelpunkt steht die Schnabelfamilie, bei der das Zusammenleben auf engstem Raum eine Kunst für sich ist. Wie man fast 20 Menschen auf ein paar Quadratmetern managt, wie Einkäufe zu Monstertouren werden oder wie Kinder von klein auf Verantwortung übernehmen – das alles erzählt Hörnlein mit einer Mischung aus bewundernder Nostalgie und nüchternem Blick auf gesellschaftliche Rollenbilder. Die Eltern, traditionell typisch fürs Wirtschaftswunder, geben der Geschichte einen realistischen Kern. Dabei bringt besonders die kindliche Perspektive der ältesten Geschwister immer wieder ganz konkrete, fast liebevolle Einblicke: Diese kleinen Alltagsanekdoten – etwa das Einschätzen der Schwangerschaft an der Lieblingsschokolade der Mutter – treffen mitten ins Herz.
Der Schreibstil von Katrin Hörnlein ist unkompliziert, lebendig und schafft es, Emotionen auf den Punkt zu bringen, ohne ins Kitschige abzurutschen. Man spürt den Respekt für die Menschen hinter der Geschichte ebenso wie die Faszination für diese besondere Lebensweise. Zugleich gibt‘s genug Raum zum Schmunzeln, manchmal auch zum Nachdenken. Einziges kleines Manko: Manche Passagen wirken ein wenig zu detailverliebt, sodass das Buch stellenweise etwas gemächlicher liest, als ich es mir gewünscht hätte.
Für alle, die Familiengeschichten lieben, die gerne in die Vergangenheit eintauchen und die nach echten, unverfälschten Lebensgeschichten suchen, ist „Die Schnabels“ genau das richtige Buch. Wer sich für Zeitgeschichte aus persönlicher Perspektive interessiert und Lust auf eine große Portion Menschlichkeit hat, sollte hier unbedingt reinschauen.
Mein Fazit: Ein warmherziger Blick auf eine besondere Familie und ein Stück bundesdeutsche Geschichte, das unter die Haut geht. Klare Leseempfehlung!
4 von 5 Sternen.
Klappentext
Die Geschichte einer besonderen Großfamilie von den 1950ern bis heute: 17 Geschwister – aufgewachsen zwischen Wirtschaftswunder und Mauerfall. ›ZEIT‹-Redakteurin Katrin Hörnlein erzählt die faszinierende Geschichte einer Ausnahmefamilie und zugleich ein Stück Familiengeschichte der Bundesrepublik.
Die Schnabels sind als eine der größten Familien der alten Bundesrepublik ein Ausnahmephänomen. Vieles in ihrem Alltag war außergewöhnlich: Wie man fast 20 Menschen auf wenigen Quadratmetern unterbrachte, in welchen Mengen eingekauft werden musste und wie die Kinder bei der Pflege und Erziehung eingebunden wurden. Zugleich war vieles auch ganz typisch für das westdeutsche Familienleben der 1950er- bis 1980er-Jahre: Dass der Vater das Geld verdiente und die Mutter Hausfrau war, dass die Kinder unbeaufsichtigt durch die Gegend zogen oder dass die Mutter zunehmend versuchte, sich zu emanzipieren.
»Die Kinder kamen wie Gewitter. Wenn meine Mutter Noisette-Schokolade aß, wusste ich, sie ist wieder schwanger.«
ODILO, KIND 1
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