Wenn dir das hier gefiel …
Islam und Christentum
Key Facts
Kritik
Schon beim Aufschlagen von „Islam und Christentum“ merkt man sofort, dass hier ein Buch vorliegt, das mit voller Überzeugung geschrieben wurde – und das spürt man bis zur letzten Seite. M. Sıddık Gümüş nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die drei großen monotheistischen Religionen, wobei der Fokus deutlich auf dem Islam liegt. Dabei geht es nicht nur um trockene Vergleiche, sondern um die Darstellung der Werte, Wunder und Tugenden, die den Islam nach Ansicht des Autors so einzigartig machen.
Die Hauptfigur – wenn man es so nennen kann – ist eigentlich die Religion selbst, dargestellt durch den heiligen Koran und den Propheten Muhammed. Gümüş versucht, dem Leser ein klares Bild dessen zu vermitteln, was einen „guten Muslim“ ausmacht, und warum der Islam in seinen Augen anderen Glaubensrichtungen überlegen sein soll. Der Schreibstil ist dabei sehr direkt, teils fast predigend, was für einen gewissen Drive sorgt, aber gelegentlich auch etwas belehrend wirkt. Das ist nicht jedermanns Sache und hat mir persönlich etwas von der Leichtigkeit genommen, die so ein Thema vertragen hätte.
Was mir gefallen hat: Das Buch ist verständlich geschrieben, gut strukturiert und bietet für Interessierte einen guten Einstieg in den Islam, gerade wenn man wenig Vorwissen mitbringt. Die Passagen, in denen Gümüş die Verhaltensweisen und Tugenden des Propheten beschreibt, sind durchaus einfühlsam und vermitteln Respekt vor dieser Persönlichkeit. Allerdings gerät die Darstellung des Christentums manchmal recht einseitig – was bei vielen Leser:innen, die sich mit der Materie auskennen, nicht gut ankommt. Tatsächlich werden christliche Texte häufig aus dem Kontext gerissen, was dem Argumentationsstil einen eher polemischen Anstrich verleiht und die sachliche Auseinandersetzung erschwert.
Ein echter Knackpunkt ist die Radikalität, die hier und da mitschwingt. Manche Kommentare und Bewertungen von Lesern zeigen, dass das Buch eher polarisierend wirkt – und vielleicht deshalb ist es für Menschen, die eine ausgeglichenere Perspektive suchen, eher nicht geeignet. Außerdem ist die optische und formale Gestaltung leider nicht ganz stimmig, was bei komplexen Themen doch etwas irritiert und den Lesefluss stört.
Wer ein vom Autor klar positioniertes Werk erwartet, das den Islam aus einer sehr spezifischen Sicht darstellt und sich weniger dem interreligiösen Dialog verschreibt, der kann durchaus einen Blick riskieren. Für alle anderen wird es womöglich eher frustrierend sein.
Insgesamt also ein Buch, das meine Erwartungen an einen respektvollen und ausgewogenen Vergleich der Religionen nicht erfüllt hat – und das vor allem eher jene anspricht, die eine bestärkende Darstellung des Islams suchen, statt eine differenzierte Diskussion.
2 von 5 Sternen – ein Werk mit interessanten Ansätzen, das sich aber zu sehr in Schwarz-Weiß-Malerei verliert.