Wenn dir das hier gefiel …
Schneestill
Key Facts
Kritik
Schon beim ersten Lesen spürt man dieses tiefe, winterliche Schweigen, das Johanna Mo in „Schneestill“ meisterhaft einfängt – da zieht dich die Geschichte sofort hinein, egal ob du selbst schonmal allein mit deinen Gedanken im kalten Wald warst oder nicht. Es geht um Natalie und Meja, zwei Schwestern, die über Weihnachten in das alte Elternhaus auf Öland zurückkehren, nur um festzustellen, dass ihre Mutter plötzlich verschwunden ist. Die Atmosphäre knistert vor Spannung, denn hier liegt nicht nur Schnee, sondern auch so manche Wahrheit ganz nah unter der Oberfläche.
Die Figuren sind dabei nicht glatt oder perfekt, sondern wunderbar vielschichtig. Besonders Natalie fand ich richtig greifbar: eine Mischung aus verletzter Tochter und junger Frau, die versucht, sich in einem Labyrinth aus Familiengeheimnissen zurechtzufinden. Und dann ist da noch der Vater, dessen Rolle zwischen Beschützer und undurchschaubarem Polizistentyp charmant zwischen den Zeilen schimmert. Johanna Mo schreibt klar und präzise, aber ohne dabei das Gefühl für die kleinen, feinen Momente zu verlieren, die eine Geschichte besonders machen. Kein unnötiger Ballast, sondern ein Sog, der einen immer tiefer ins Haus und die Köpfe der Figuren zieht.
Was mich ein bisschen gestört hat, war, dass manche Szenen gegen Ende ein wenig lang gezogen wirken – etwas knackiger hätte dem Tempo sicher gut getan. Dennoch steht die Spannung durchweg auf einem hohen Level, und die Auflösung ist clever verwoben, ohne zu hektisch zu sein.
Kurz gesagt: Wer auf ruhig erzählte Psychothriller mit familiärer Tiefe und einer guten Portion nordischem Frost steht, liegt bei „Schneestill“ goldrichtig. Perfekt für alle, die gerne ein bisschen miträtseln und sich auf eine gefühlvolle Geschichte einlassen wollen, ohne dass sie sofort überfrachtet wird.
4 von 5 Sternen – ein atmosphärisch dichter Pageturner mit kleinen Schwächen, die das Lesevergnügen aber kaum trüben.
Klappentext
Ein einsames Haus tief im Wald auf der Insel Öland: Weihnachten steht vor der Tür, und die erwachsenen Schwestern Natalie und Meja kehren zurück ins elterliche Zuhause. Aber die Stimmung ist angespannt. Ihre Mutter ist seit vier Tagen spurlos verschwunden. Alte Konflikte kommen hoch. Die Polizei stößt bei ihren Befragungen auf Widersprüche. Was weiß der Vater der Schwestern, der selbst pensionierter Polizist ist? Hat ihre Mutter sich entschieden, sie zu verlassen, oder hat jemand dafür gesorgt, dass sie nie wieder zurückkommt?