Hildur – Das Tal der Schuld
Key Facts
Kritik
Man glaubt ja immer, in den entlegenen Bergen hört einen niemand – und genau dieses Gefühl zieht sich wie ein roter Faden durch „Hildur – Das Tal der Schuld“. Satu Rämö nimmt uns mit in die rauen Westfjorde, wo nicht nur die Natur, sondern auch alte Geheimnisse unerbittlich sind. Kriminalbeamtin Hildur Rúnarsdóttir begleitet den alljährlichen Schafabtrieb und stolpert dabei über einen toten Körper – eine Deutsche, die scheinbar bei einem Wanderunfall ums Leben kam. Doch schnell wird klar: Hier ist nichts so harmlos, wie es scheint. Die Ermittlungen ziehen Verbindungen zu mysteriösen Fällen aus der Vergangenheit, und Hildurs Tante Tinna taucht mit ihrer Suche nach Antworten in ein Familiengeheimnis ein, das tief in die Siebziger Jahre zurückreicht.
Hildur selbst ist eine sympathische Figur – tough, aber nahbar, mit einem feinen Gespür für die Menschen ihrer Heimat. Rämös Schreibstil ist angenehm klar und atmosphärisch, ohne dabei ins Schwafeln zu geraten. Man spürt die kühle Luft der Berge, die Einsamkeit und die Spannungen im kleinen Dorf, ohne dass zu viel dick aufgetragen wird. Besonders gefallen hat mir, wie die Autorin Vergangenheit und Gegenwart elegant verwebt, sodass die Geschichte spannend bleibt, ohne hektisch zu wirken. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, selbst auf dem schroffen Gelände zu stehen, mit einem Blick, der sowohl Angst als auch Neugier kennt.
Klar, an manchen Stellen hätte die Geschichte für meinen Geschmack etwas schneller voranschreiten können – die Passagen rund um Tante Tinnas Vergangenheit zogen sich hin und wollten nicht immer so recht zünden. Auch die Auflösung kam für mich etwas zu leise daher, gerade nach dem intensiven Aufbau. Trotzdem keine halben Sachen, sondern ein solider Spannungsbogen, der vor allem Fans von nordischem Krimi mit einer Vorliebe für Natur und Emotionen abholt.
Kurz und knapp: Wer Lust auf einen Krimi hat, bei dem Atmosphäre und Charaktere mindestens genauso wichtig sind wie der Fall selbst, der liegt mit „Hildur – Das Tal der Schuld“ goldrichtig. Eine frische Stimme aus Island, die mit viel Herz und einer Portion rauer Magie erzählt.
4 von 5 Sterne – weil das Tal der Schuld mich mit jedem Kapitel ein bisschen tiefer reingezogen hat.
Klappentext
Kriminalbeamtin Hildur Rúnarsdóttir unterstützt die Bauern in den Westfjorden beim alljährlichen Schafabtrieb in den Bergen. Dabei stoßen sie in einem einsamen Tal auf eine tote Frau. Es handelt sich um eine Deutsche, die für eine Hotelkette aus Reykjavík arbeitete. Was zunächst nach einem Wanderunfall aussieht, entpuppt sich als Mord. Tante Tinna fällt eine Parallele zu Hildurs allererstem Mordfall vor 25 Jahren auf. Hat derselbe Täter nun erneut zugeschlagen? Während Hildur versucht, die Spuren aus der Vergangenheit mit denen aus der Gegenwart zu verbinden, sucht auch Tinna nach Antworten. Sie will wissen, was aus ihrer Schwester Hulda wurde, die Anfang der Siebziger aus Island verschwand.