Das Karussell
Key Facts
Kritik
Manchmal braucht es ein bisschen italienische Küstenluft, um im Leben wieder in Schwung zu kommen – genau das gelingt Hans-Ulrich Treichel mit „Das Karussell“. Die Geschichte um Bernhard, der mit siebzig Jahren zwischen Abschied und Neuanfang steht, nimmt uns mit auf eine Reise voller Erinnerungen, Begegnungen und unverhoffter Chancen.
Bernhard, dieses sympathische, ein bisschen zerstreute „Alt-Herz“, ist kein typischer Held, aber genau das macht ihn so greifbar. Ein Mann, der weder blind vor Optimismus noch verbittert durchs Leben geht, sondern irgendwo dazwischen steht – gefangen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sein Ausflug nach Salerno wird zum emotionalen Rückblick, der leichte Melancholie mit einer angenehmen Portion Humor verbindet. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, allen voran Alfredo, der das titelgebende Karussell rettet, und Arianna, die für Bernhard vielleicht mehr als nur eine Freundin ist. Die Dynamik zwischen ihnen ist zart, fast zerbrechlich, und voller ungesagter Worte.
Was mir besonders gefallen hat, ist Treichels feines Gespür für Atmosphären. Sein Stil fließt elegant, ohne zu schwer zu wirken, und schafft es, ein bisschen Traurigkeit und Hoffnung zugleich einzufangen. Man fühlt sich wie ein stiller Begleiter auf Bernhards Reise, ganz nah dran, ohne sich bedrängt zu fühlen. Zwischendurch hätte ich mir allerdings manchmal ein bisschen mehr Tempo oder Spannung gewünscht – die ruhigen Passagen laden sehr zum Nachdenken ein, das ist sicher nicht jedermanns Sache.
Wer also Lust auf eine tiefgründige, langsam erzählte Geschichte über Leben, Verlust und das Wagnis des Neubeginns hat, wird hier bestens bedient. Wer aber auf flotte Handlung und dramatische Wendungen steht, sollte besser ein anderes Buch zur Hand nehmen.
Kurz gesagt: „Das Karussell“ ist ein feinsinniger Roman für alle, die das Leben in seinen leisen Zwischentönen schätzen – eine sanfte Erinnerung daran, dass es nie zu spät ist, alte Träume wiederzufinden.
4 von 5 Sternen.
Klappentext
Hans-Ulrich Treichel erzählt eine Wiedersehensgeschichte, die zugleich eine Abschiedsgeschichte ist. Er tut dies auf seine eigene, unnachahmliche Art – melancholisch und heiter, leise und manchmal träumerisch: »Träume eines alten Mannes? Träumen war ja nicht verboten. Das Vergangene verging nicht. Zumindest solange man lebte. Das Entgangene allerdings auch nicht.«