Fiasko
Key Facts
Kritik
Schon die ersten Seiten von „Fiasko“ ziehen dich mit einer Mischung aus schrägem Humor und beißender Gesellschaftskritik regelrecht in den Bann. Tony Tulathimutte erzählt von Menschen, die zwischen Internet und Realität auf verlorenem Posten stehen – Millennials, die verzweifelt nach echter Nähe suchen, aber stattdessen in den Abgründen von Dating-Apps, Fetischgeständnissen und gesellschaftlichen Schieflagen landen.
Im Mittelpunkt stehen Figuren, die man so schnell nicht vergisst: Ein Feminist, der sich unerwartet in der dunklen Incel-Szene wiederfindet, eine Frau, die nach einem One-Night-Stand in eine emotionale Abwärtsspirale gerät, und ein schwuler Thai-Amerikaner, der mit einem ziemlich speziellen Fetisch ringt. Tulathimutte schafft es, all diese vermeintlichen Außenseiter so scharf zu zeichnen, dass man sie mit all ihren Ecken und Kanten plötzlich irgendwie versteht – oder zumindest nachvollziehen kann, warum sie ticken, wie sie ticken.
Was mir besonders gefallen hat, ist der unverwechselbare Stil: schnörkellos, verdammt präzise und dabei gleichzeitig herrlich witzig. Da springt ein brillanter Wortwitz mit der gnadenlosen Beobachtungsgabe um die Ecke, und man bleibt nicht nur amüsiert, sondern oft genug auch echt schockiert zurück. Kein Happy End-Schleier täuscht hier über die dunklen Seiten unserer digitalen Gesellschaft hinweg. Stattdessen gibt’s einen bissigen Blick auf das, was passiert, wenn Identität, Sehnsucht und virtuelle Welten kollidieren.
Klar, die highspeed-Prosa kann an manchen Stellen ganz schön fordernd sein, und wer es lieber gemütlich mag, könnte sich vom Tempo und der manischen Energie überrollt fühlen. Außerdem schimmert die Radikalität mancher Figuren schon fast provokativ durch – Geschmackssache, ob man das mag oder nicht.
Unterm Strich ist „Fiasko“ ein durchgeknallter, intelligent komponierter Roman, der sich nicht vor den hässlichen Facetten des Lebens drückt und dabei erstaunlich empathisch bleibt. Wer Lust auf eine schonungslose und dabei oft urkomische Reise durch die Albträume und Sehnsüchte unserer Zeit hat, macht hier nichts falsch.
4 von 5 Sternen – eine wildes, kluges Leseerlebnis für alle, die sich auf ungewöhnliche Perspektiven einlassen wollen.
Klappentext
Dieses Buch hat für Furore gesorgt wie kaum ein zweites Werk der amerikanischen Gegenwartsliteratur: Von der Kritik gefeiert, von Lesern leidenschaftlich diskutiert, erzählt Tony Tulathimutte so brillant wie zum Totcringen komisch von Millennials, Misfits und Masturbauteurs.
Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen Spirale, als ein One-Night-Stand nicht zur erhofften Beziehung führt. Ein schwuler Thai-Amerikaner bringt es nicht über sich, seinem Freund seinen ultranischigen Fetisch zu gestehen.
Wie die Facetten eines Kaleidoskops zeigen ihre Geschichten die monströs schillernden Formen, die die Sehnsucht nach echter Nähe in einer Welt zwischen Dating-Apps und Doomscrolling annimmt. Fiasko gräbt sich tief in die Zwänge und Miseren unserer Gegenwart.
»Es überläuft einen von den ersten Worten an. Tulathimutte, fraglos einer der herausragenden Schriftsteller seiner Generation, spielt in der Liga der ganz Großen.« New Yorker
»Tulathimutte, ein Meister der Komik mit einem virtuosen Stil, hat ein gewagtes, originelles und zutiefst verstörendes Buch vorgelegt, das beherzt in den Gegenverkehr der liberalen Scheinheiligkeit von heute steuert. Fiasko fängt gekonnt die brandenden Energien des Internets ein, bringt aber auch der neuen Sorte Mensch, die das Internet mit seinen wogenden Identitätskontroversen hervorbringt, tiefe Empathie entgegen.« The New York Times Magazine
»Der witzigste Roman, den Sie dieses Jahr lesen werden. Tulathimutte ist einzigartig. Sein Stil erinnert an Nabokov – hätte Nabokov zu einer Zeit gelebt, in der er von Pornos statt von Schmetterlingen besessen wäre.« Los Angeles Review of Books
Nominiert für den National Book Award, Best Book of the Year in The New York Times, Time Magazine, New Yorker u. v. m.
»Gnadenlos brutal und zum Schreien komisch. Fiasko verschont niemanden – nicht dich, nicht mich. Tulathimutte ist ein Perverser, ein Wahnsinniger, ein eiskaltes Genie.« Carmen Maria Machado
»Seine rasante Prosa und sein tiefgründig existenzieller Witz offenbaren eine Wahrheit im Kern unserer verzweifelten Conditio humana. Fiasko ist das Buch eines Verrückten – eines verrückten Genies.« Garth Greenwell
»Ein Kick für die Perversen unter uns. Einer der begabtesten Schriftsteller, die sich dem Thema der eigenen Generation widmen. Sein Furcht erregender Intellekt und seine abnormen Instinkte knistern in beinahe jeder Zeile.« Jia Tolentino
»A fucking party.« Melissa Broder
»Abgedreht komisch, formal innovativ und unheimlich präzise zeigt Tulathimutte, wie das digitale Leben unsere reale Existenz schmälern oder pervertieren kann.« Vincenzo Latronico
»Vollkommen und absolut unnachahmlich.« Raven Leilani
Übersetzt von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr