Wenn dir das hier gefiel …
Zwei Historische Romane: Der Kartograph und die Gräfin/ Marietta, die Jungfrau von Venedig
Key Facts
Kritik
Manchmal stolpert man in ein Buch hinein, das einen sofort mitnimmt, als hätte man gerade ein gut gehütetes Familiengeheimnis entdeckt – so ging es mir mit „Zwei Historische Romane: Der Kartograph und die Gräfin/ Marietta, die Jungfrau von Venedig“. Die Kombination aus Jonas Herlins tiefgründigem Drama um einen desillusionierten Kartographen und F. Marion Crawfords charmantem Klassiker voller venezianischer Atmosphäre ist genau das, was Fans historischer Romane mit Herz suchen.
Der erste Roman spielt im Jahr 1805, mitten im Chaos des zerfallenden Heiligen Römischen Reiches. Dr. Johannes Törne, ein ehemaliger Militärarzt und nun versunkener Kartograph, hat sich von der Welt zurückgezogen – bis eine Kutschkatastrophe und die mysteriöse Gräfin Eleonora sein Leben auf den Kopf stellen. Die Handlung zieht durch ihre Kombination aus persönlicher Verzweiflung, politischen Intrigen und einer Prise Spannung wunderbar in den Bann. Die Figuren sind dabei keine flachen Klischees: Johannes‘ nüchterne Weltanschauung trifft auf Eleonoras kämpferischen Geist, und man fiebert als Leser:in richtig mit.
Der zweite Roman, „Marietta, die Jungfrau von Venedig“ von Crawford, ist dagegen eine ganz andere Reise – atmosphärisch reich, mit einer typisch italienischen Leidenschaft und einem Hauch von Mystik. Das stilistische Wechselspiel zwischen den beiden Romanen ist interessant, da es zwei verschiedene historische Welten zeigt, die dennoch durch den feinen Faden menschlicher Emotionen verbunden sind.
Was mir besonders gefallen hat, ist die klare, aber dennoch lebendige Sprache in Herlins Teil. Kein überladener Historien-Kitsch, sondern eine eingängige Erzählweise, die die Zeit lebendig werden lässt, ohne zu belasten. Crawfords Text ist etwas klassischer, was dem Ganzen einen charmanten Kontrast verleiht und dem Leser eine kleine Zeitreise schenkt.
Kritikpunkt? Das Buch kann stellenweise etwas sprunghaft wirken – der Wechsel zwischen zwei komplett verschiedenen Erzählstilen verlangt schon etwas Umgewöhnung. Auch hätte ich mir bei Herlins Roman noch mehr Hintergrund zu den politischen Verstrickungen gewünscht, die Zeit und Gelegenheit bieten, um die Spannung aufzuladen.
Alles in allem ist dieses Doppelpack eine feine Wahl für alle, die gerne die Vergangenheit entdecken und dabei auf starke Charaktere setzen. Wer Historienromane mit ordentlich Tiefgang und einem Spritzer Abenteuer mag, wird hier fündig und bekommt gleich zwei Geschichten fürs gleiche Geld.
4 von 5 Sternen – ein solides, bereicherndes Lesevergnügen, das seine kleinen Schwächen mit viel Atmosphäre und Charakterstärke wettmacht.